Kino.to ist offline. Und jetzt?

Gegen die Streaming-Seite kino.to wird ermittelt. Bei Razzien in mehreren europäischen Ländern wurden 13 Personen verhaftet, kino.to und einige nahestehende Videohoster wurden vom Netz genommen. Doch wenn die Filmindustrie glaubt, dass sie damit einen großen Fang gelandet hat, liegt ein Irrtum vor.

Erschienen am Mittwoch, 8. Juni 2011


Die Polizei hat die beliebte Streaming-Website kino.to abgeschaltet – Foto: dpa

Die Streaming-Seite kino.to ist vom Netz genommen worden. Wie Spiegel Online berichtet, wurden Razzien in mehreren europäischen Ländern durchgeführt. 13 Personen wurden festgenommen, nach einer weiteren Person wird gefahndet. Beim Aufruf der Adresse kino.to (oder der Alternative moviestream.to) erscheint ein Hinweis der Kriminalpolizei:

“Die Domain zur von Ihnen ausgewählten Webseite wurde wegen des Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung zur gewerbsmäßigen Begehung von Urheberrechtsverletzungen geschlossen. Mehrere Betreiber von KINO.TO wurden festgenommen. Internetnutzer, die widerrechtlich Raubkopien von Filmwerken hergestellt oder vertrieben haben, müssen mit einer strafrechtlichen Verfolgung rechnen.”

Die Filmindustrie und die Polizei haben das Recht wohl auf ihrer Seite. Denn selbst wenn sich auch vor Gericht herausstellen sollte, dass es nicht illegal ist, Links auf illegale Streams zu veröffentlichen: Die Polizei geht davon aus, dass die Macher von Kino.to auch hinter einigen der Online-Speicherplattformen stecken, auf denen die Videos gespeichert worden sind. Der große Erfolg dieser Razzien wird aber vermutlich trotzdem ausbleiben. Denn Kino.to ist nicht das einzige Angebot seiner Art. Lediglich das in Deutschland bekannteste. Der Verbreitung von urheberrechtlich geschütztem Material im Internet ist nicht mit Festnahmen einzelner Personen beizukommen und das wird früher oder später auch die Filmindustrie erkennen müssen.

Schon die Musikindustrie hat den Einstieg ins Internet verschlafen, wurde dann jedoch von Apple und anderen Anbietern ins weltweite Netz gezerrt. Das hat natürlich nicht verhindert, dass weiterhin illegal Lieder heruntergeladen wurden. Aber die Zahl dieser Downloads geht zurück und ich denke nicht, dass das nur an diversen Abmahnwellen liegt – auch der Umstand, dass es günstige Alternativen wie den iTunes Store und den mp3-Shop von Amazon gibt dürfte hierfür mitverantwortlich sein.

Die Filmindustrie scheint jedoch nicht aus den Fehlern der Musikindustrie gelernt zu haben: 2008 wurde zwar das Portal hulu.com gegründet, in dem Spielfilme, Trailer und Serien kostenlos (bzw. auf Hulu Plus für 7,99 US-Dollar pro Monat) gestreamt werden, doch die Sache hat einen Haken: Das Angebot gilt nur für Bewohner der USA. Auch Apples “Apple TV” ist im Gegensatz zu iPhone und iPad kein Dauerrenner – viele Nutzer fragen sich, wieso sie ein extra Gerät kaufen sollen, wenn sich Streams doch auch mit dem Computer abrufen lassen. In Deutschland bietet Maxdome.de ein solches Angebot. Nur: Maxdome.de kostet. Bis zu 14,99€ pro Monat. Und Blockbuster muss man extra bezahlen.

Nun stellen wir uns mal einen 14 Jahre alten Schüler – nennen wir ihn Peter – vor. Peter schaut gerne Filme. Harry Potter findet er total cool. Manchmal kommt Harry Potter im Fernsehen. Aber leider nicht immer, wenn Peter ihn sehen will. Er könnte sich alle Harry-Potter-Filme zum Geburtstag wünschen, aber zum Geburtstag hätte er eigentlich lieber ein Fahrrad. Also schaut Peter mal ins Internet. Er findet die Seite Maxdome.de. Allerdings soll er dort für die Filme zahlen. Das findet er komisch, weil er bekommt die Filme ja gar nicht wirklich, und außerdem muss er für das Fernsehen bei SuperRTL ja auch nichts zahlen. Sein Papa erklärt ihm, dass SuperRTL ihm die Filme kostenlos zeigt, weil der Sender sich unter anderem über Werbung finanziert. “Na dann sollen sie mir die Filme doch im Internet auch mit Werbung zeigen!”, meint Peter und schüttelt verwirrt den Kopf.

Die Sender und die Filmindustrie tun das aber nicht. Sie stellen nicht einfach Filme ins Internet und streamen sie in die ganze Welt. Weil man damit kein Geld verdienen kann? Kino.to hat laut Spiegel Online mit seinem teils kostenlosen Angebot siebenstellige Gewinne eingefahren. Ist das kein Geld? Oder ist es den großen Konzernen zu wenig? Nun denn, die Filmwirtschaft hat die Wahl: Entweder, sie steigt vernünftig in diesen Online-Markt ein, bietet einen Großteil des Angebots werbefinanziert und einige weitere Inhalte (wie wäre es beispielsweise mit den 3D-Versionen von Kinofilmen, oder aber den HD-Varianten aller Filme?) mit einem Bezahlsystem an. Oder sie sieht zu, wie sich Streamseiten wie kino.to weiter ausbreiten und bekommt keinen Cent von dem, was diese Angebote erwirtschaften. Einzelne Personen ins Gefängnis zu stecken, ist jedenfalls wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Wohl gemerkt: Auf den heißen Stein, der laut Angaben seiner Betreiber schon im Jahr 2009 von über vier Millionen Nutzern im Monat besucht wurde. Und wer tatsächlich glaubt, dass diese vier Millionen User jetzt plötzlich in den nächsten Laden laufen, und sich alles, was sie bisher kostenlos konsumiert haben, als DVD oder Blu-ray Disc kaufen, der hebe die Hand.

ÜBER DEN VERFASSER
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Moritz Clauß hat 84 Artikel für acht9.de geschrieben.

Moritz (Twitter) studiert Sozialwissenschaften in Augsburg und macht irgendwas mit Medien. Außerdem schreibt er Prosa und anderen Quatsch.

18 Kommentare

  • avatar Caro 19:01 Uhr 8. Juni 2011

    Wie wahr…^^

  • avatar Udo 20:07 Uhr 8. Juni 2011

    Schöner Artikel – dem kann ich nur beipflichten.

  • avatar maggg 20:12 Uhr 8. Juni 2011

    Super Beitrag

  • avatar Patrick 20:48 Uhr 8. Juni 2011

    jop der atickel trift den nagel auf den kopf
    klasse geschrieben und erklärt

  • avatar Jimbo 21:31 Uhr 8. Juni 2011

    Sehr schöner artikel

  • avatar haha 21:59 Uhr 8. Juni 2011

    sinnvollster bericht zu diesem thema im gesamten netz^^

  • avatar radoke 22:15 Uhr 8. Juni 2011

    Toller Artikel, genau das ist die Motivation der Judendlichen und weniger betuchten. Steigt in den Markt ein und hört auf rumzuheulen und die Persöhnlichkeitsrechte für eure Profite einzuschränken, liebe Film- und Musikindustrie. Nur ihr könnt was dafür das ihr noch nicht dabei seid. Und wenn euch die Gewinne zu wenig sind…pech! Anderen sind sie anscheinend genug :-D

  • avatar Peter 22:45 Uhr 8. Juni 2011

    Der Artikel ist an sich ganz gut. Einen Haken hat er jedoch:
    Die Betreiber von kino.to haben den siebenstelligen Millionenbetrag nicht nur mit Werbung erwirtschaftet. Ein Großteil davon wurde durch Seiten gesammelt, die Abofallen beinhalten.

    Und noch ein Hinweis:
    Die meiste Werbung bezog sich auf pornographische Inhalte die dem User “Peter” in dem Beispiel bestimmt nicht gut täten.

  • avatar Morian 22:50 Uhr 8. Juni 2011

    Warum wird die Finanzierung nicht über eine Kombination aus GEZ und Werbung gemacht?
    Die GEZ wird doch sowieso aufgezwungen und ich lehn mich ganz weit aus dem Fenster, bei einem Volksentscheid würde diese Idee eine absolute Mehrheit bekommen.

    Kostenlose, hochqualitative Filme via Internet!
    Hey das ist ja mal fast nen Grund in Deutschland zu bleiben.

  • avatar Jungle 22:53 Uhr 8. Juni 2011

    einfach super argumentiert und sehr realistisch dargestellt :) sich gegen die Globalisierung zu entwickeln, bringt nichts!Doch das werden die früher oder später merken

  • avatar anonym 23:12 Uhr 8. Juni 2011

    sign

  • avatar acgt 00:02 Uhr 9. Juni 2011

    Völlig richtig. Erinnere nur mal an die Zeit, nachdem Premiere zu war. Vorher wurde immer angeführt, dass es Premiere hauptsächlich deswegen schlecht gehe, weil es so leicht war, Premiere schwarz zu sehen und es wurde erwartet, dass die Abonnentenzahlen jetzt steil in die Höhe gehen. Wir wir jetzt, lange Zeit danach, sehen, hat sich diese Vorhersage überhaupt nicht erfüllt. Premiere hat so viele Abonnenten wie zuvor.

    Was diese Strategen immer gerne vergessen ist, dass viele schlicht nicht das Geld haben, sich die neuen Filme zu kaufen oder sie sogar nur im Kino anzusehen. Diejenigen, die jetzt nicht mehr per kino.to an Filme kommen, werden sich dann eben andere Wege suchen, an Filme zu kommen oder einfach schlicht nur noch Fernsehen, bis der nächste Streamingdienst so populär wird, dass sie auf den umsteigen. Eine Lösung für die Filmindustrie ist diese Aktion jedenfalls nicht. Das ist nich mal ein Tropfen auf dem heißen Stein.

    Andererseits verachte ich aber auch diese Leute, die mit illegalem Content Geld verdienen wollen. Macht das jemand, schlicht um anderen eine Freude zu machen oder gibt er Filme weiter, weil er selbst auch schon Filme bekommen hat, habe ich dafür Verständnis. Kommerzialisiert man aber diese Geschichte so wie hier, ist das am Ende eher ein Schaden für die gesamte Szene, weil dann plötzlich, wegen der großen öffentlichen Aufmerksamkeit, dass Fadenkreuz auf jedem und auf allem gerichtet wird. Untergrund ist in Ordnung. Kommerziellen Beschiss mit geklauter Ware ist verächtlich.

  • avatar marten 00:08 Uhr 9. Juni 2011

    Danke für den Beitrag! Sign

  • avatar Hans 00:18 Uhr 9. Juni 2011

    Natürlich ist es falsch diese Raubkopien zu verbreiten. Das geht mir in dem Artikel einfach unter.

  • avatar klosed 00:30 Uhr 9. Juni 2011

    Endlich weg *Freu*

  • avatar Cadilac 00:32 Uhr 9. Juni 2011

    “…und ich denke nicht, dass das nur an diversen Abmahnwellen liegt..”

    noch das “ich” rausnehmen (ist mir so ins Auge gesprungen) und dann gefällt der Artikel auch einem Computernarren… im Gegensatz zu Focus, Stern und Co. scheint hier jemand Ahnung zu haben und ein bisschen Verständnis für viele kino.to User aufzubringen, da diese meistens auch kaum Ahnung von Computern haben und daher auch diesen sehr einfachen weg gegangen sind :D

  • avatar Moritz Clauß 00:58 Uhr 9. Juni 2011

    @Peter: Wie viel die Betreiber wie eingenommen, weiß man ja nicht. Allerdings hast du vermutlich recht und die Abo-Fallen machen einen Großteil aus. Nur: Abofallen gibt es auch bei seriöseren Angeboten (z.B. bei GMX, die einem einen “kostenlosen” ProMail-Testaccount andrehen, der kurz darauf plötzlich 17 Euro kostet…).

    @Alle anderen: Freut mich, dass euch der Beitrag gefällt :)


    Andere Stimmen zum Thema:

    Mir ist Kino.to egal, weils für Menschen ist, denen Filme egal sind.
    Polizei schließt Streamingdienst und Rechtslage bei Streaming Portalen
    kino.to t (Kommentar von Johnny Haeusler auf Spreeblick)

  • avatar Steffan 16:27 Uhr 12. Februar 2012

    Sehr schöner Artikel!! :)
    Ich finde Lovefilm.de sehr gut, bin da schon seit 2 monaten registriert und kann ich absolut nur empfehlen. Ansonsten verwende ich als **********. Da kann man sich kostenlos filme anschauen und downloaden und das legal ;)

    Anm. Redaktion: Bitte nicht auf illegale Inhalte verlinken.

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