Kino.to ist offline. Und jetzt?
Gegen die Streaming-Seite kino.to wird ermittelt. Bei Razzien in mehreren europäischen Ländern wurden 13 Personen verhaftet, kino.to und einige nahestehende Videohoster wurden vom Netz genommen. Doch wenn die Filmindustrie glaubt, dass sie damit einen großen Fang gelandet hat, liegt ein Irrtum vor.

Die Polizei hat die beliebte Streaming-Website kino.to abgeschaltet – Foto: dpa
Die Streaming-Seite kino.to ist vom Netz genommen worden. Wie Spiegel Online berichtet, wurden Razzien in mehreren europäischen Ländern durchgeführt. 13 Personen wurden festgenommen, nach einer weiteren Person wird gefahndet. Beim Aufruf der Adresse kino.to (oder der Alternative moviestream.to) erscheint ein Hinweis der Kriminalpolizei:
“Die Domain zur von Ihnen ausgewählten Webseite wurde wegen des Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung zur gewerbsmäßigen Begehung von Urheberrechtsverletzungen geschlossen. Mehrere Betreiber von KINO.TO wurden festgenommen. Internetnutzer, die widerrechtlich Raubkopien von Filmwerken hergestellt oder vertrieben haben, müssen mit einer strafrechtlichen Verfolgung rechnen.”
Die Filmindustrie und die Polizei haben das Recht wohl auf ihrer Seite. Denn selbst wenn sich auch vor Gericht herausstellen sollte, dass es nicht illegal ist, Links auf illegale Streams zu veröffentlichen: Die Polizei geht davon aus, dass die Macher von Kino.to auch hinter einigen der Online-Speicherplattformen stecken, auf denen die Videos gespeichert worden sind. Der große Erfolg dieser Razzien wird aber vermutlich trotzdem ausbleiben. Denn Kino.to ist nicht das einzige Angebot seiner Art. Lediglich das in Deutschland bekannteste. Der Verbreitung von urheberrechtlich geschütztem Material im Internet ist nicht mit Festnahmen einzelner Personen beizukommen und das wird früher oder später auch die Filmindustrie erkennen müssen.
Schon die Musikindustrie hat den Einstieg ins Internet verschlafen, wurde dann jedoch von Apple und anderen Anbietern ins weltweite Netz gezerrt. Das hat natürlich nicht verhindert, dass weiterhin illegal Lieder heruntergeladen wurden. Aber die Zahl dieser Downloads geht zurück und ich denke nicht, dass das nur an diversen Abmahnwellen liegt – auch der Umstand, dass es günstige Alternativen wie den iTunes Store und den mp3-Shop von Amazon gibt dürfte hierfür mitverantwortlich sein.
Die Filmindustrie scheint jedoch nicht aus den Fehlern der Musikindustrie gelernt zu haben: 2008 wurde zwar das Portal hulu.com gegründet, in dem Spielfilme, Trailer und Serien kostenlos (bzw. auf Hulu Plus für 7,99 US-Dollar pro Monat) gestreamt werden, doch die Sache hat einen Haken: Das Angebot gilt nur für Bewohner der USA. Auch Apples “Apple TV” ist im Gegensatz zu iPhone und iPad kein Dauerrenner – viele Nutzer fragen sich, wieso sie ein extra Gerät kaufen sollen, wenn sich Streams doch auch mit dem Computer abrufen lassen. In Deutschland bietet Maxdome.de ein solches Angebot. Nur: Maxdome.de kostet. Bis zu 14,99€ pro Monat. Und Blockbuster muss man extra bezahlen.
Nun stellen wir uns mal einen 14 Jahre alten Schüler – nennen wir ihn Peter – vor. Peter schaut gerne Filme. Harry Potter findet er total cool. Manchmal kommt Harry Potter im Fernsehen. Aber leider nicht immer, wenn Peter ihn sehen will. Er könnte sich alle Harry-Potter-Filme zum Geburtstag wünschen, aber zum Geburtstag hätte er eigentlich lieber ein Fahrrad. Also schaut Peter mal ins Internet. Er findet die Seite Maxdome.de. Allerdings soll er dort für die Filme zahlen. Das findet er komisch, weil er bekommt die Filme ja gar nicht wirklich, und außerdem muss er für das Fernsehen bei SuperRTL ja auch nichts zahlen. Sein Papa erklärt ihm, dass SuperRTL ihm die Filme kostenlos zeigt, weil der Sender sich unter anderem über Werbung finanziert. “Na dann sollen sie mir die Filme doch im Internet auch mit Werbung zeigen!”, meint Peter und schüttelt verwirrt den Kopf.
Die Sender und die Filmindustrie tun das aber nicht. Sie stellen nicht einfach Filme ins Internet und streamen sie in die ganze Welt. Weil man damit kein Geld verdienen kann? Kino.to hat laut Spiegel Online mit seinem teils kostenlosen Angebot siebenstellige Gewinne eingefahren. Ist das kein Geld? Oder ist es den großen Konzernen zu wenig? Nun denn, die Filmwirtschaft hat die Wahl: Entweder, sie steigt vernünftig in diesen Online-Markt ein, bietet einen Großteil des Angebots werbefinanziert und einige weitere Inhalte (wie wäre es beispielsweise mit den 3D-Versionen von Kinofilmen, oder aber den HD-Varianten aller Filme?) mit einem Bezahlsystem an. Oder sie sieht zu, wie sich Streamseiten wie kino.to weiter ausbreiten und bekommt keinen Cent von dem, was diese Angebote erwirtschaften. Einzelne Personen ins Gefängnis zu stecken, ist jedenfalls wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Wohl gemerkt: Auf den heißen Stein, der laut Angaben seiner Betreiber schon im Jahr 2009 von über vier Millionen Nutzern im Monat besucht wurde. Und wer tatsächlich glaubt, dass diese vier Millionen User jetzt plötzlich in den nächsten Laden laufen, und sich alles, was sie bisher kostenlos konsumiert haben, als DVD oder Blu-ray Disc kaufen, der hebe die Hand.






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