Die blöde Kuh

Viehwirtschaft ist kein angesagtes Thema. Man redet nicht so gern über Ställe und Mist. Doch darin leben Tiere, die etwa so intelligent sind wie unsere geliebten Hunde: Kühe. Doch die Kuh ist kein niedliches Haustier. Sie ist ein reines Nutztier, gibt uns Fleisch, Milch, Leder.

Erschienen am Mittwoch, 6. Juli 2011

Das Nutztier kann einen in den Bann ziehen, wenn man lange genug hinschaut.
Kühe in Stallhaltung – Foto: Felizia Göltenboth

Die Augen sind hellblau, kugelrund und ziemlich riesig. Ein Blick genügt um alle Zweifel an ihrer Intelligenz auszuschließen, die laut der Tierschutzorganisation peta der eines Hundes ähnelt und größer als die Intelligenz einer Katze ist. Außerdem haben sie ein sehr ausgeprägtes Sozialleben. Wenn man sie nur lässt. Aber die meisten Kühe leben in einem Stall und kennen nur die Kuh, die neben ihnen steht und nicht einmal ihr eigenes Kalb.

Ich denke: Kein Wunder, dass Kühe in Indien heilig sind. Sie haben etwas Geheimnisvolles an sich, das vielleicht in ihrer Ruhe begründet ist, mit der sie ihr Heu genüsslich zermalmen und wiederkäuen.

Zwischen den Mahlzeiten beginnt jedoch das umweltproblematische Rülpsen. Seit Forscher herausgefunden haben, dass Kühe große Mengen Methan ausstoßen, wenn sie rülpsen, wird die Kuh oft als Umweltkiller deklariert.

Dabei liegt der Grund des Problems wiederum in Menschenhand: Um die Kuh möglichst leistungsstark zu machen, also viel Fleisch und Milch zu erwirtschaften, wird auf ein dafür optimales Futter gesetzt, meist Getreide, das dann für die Ernährung der vielen hungernden Menschen auf der Welt fehlt. Laut eines Artikels von Anita Idel in der Zeitschrift GEO (März 2011) würde die Kuh aber zum Klimaschützen beitragen, wenn man sie ihr natürliches Futter essen ließe: Gras. Denn Beweidung ist gut für den Boden, der unter anderem so das darin gebundene CO2 auch gebunden lässt – damit das Klima schützt – und mit der Anreicherung von Biomasse, vor allem Wurzeln, fruchtbaren Humus entstehen lässt. Diese Fruchtbarkeit wiederum stellt Lebensmittel bereit und hilft so gegen die Lebensmittelknappheit.

Fazit: Wir machen alles falsch in Sachen Kuh. Anstatt die Tiere den Boden verbessern zu lassen, stopfen wir sie mit eiweißreichem Kraftfutter voll und nehmen dabei Lebensmittel weg. Dabei halten wir die intelligenten Tiere in Ställen, wo sie wiederum nichts für das Klima und gegen die Lebensmittelknappheit tun können und stattdessen nur kühl ausgenutzt werden, um am Ende Unmengen von Fleisch und Milch bereitzustellen.

Die Kuh ist alles andere als blöd. Sie ist nicht nur intelligent, sondern auch nützlich und folglich in Indien zurecht heilig. Aber ihre Nützlichkeit gibt niemandem das Recht, sie so auszunutzen, wie es in der konventionellen Landwirtschaft der Fall ist.

Ich denke dabei an den Blick dieser Kuh mit ihren großen geheimnisvollen Augen. Sie würde bestimmt lieber im Sonnenschein mit den anderen Kühen auf einer grünen Fläche grasen und dabei unbewusst unser Klima erhalten. Doch das bleibt wohl eher ein romantischer Wunschtraum.



ÜBER DEN VERFASSER
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Felizia Göltenboth hat 4 Artikel für acht9.de geschrieben.

Felizia Göltenboth schreibt seit einigen Monaten für acht9 und kann es sich jetzt gar nicht mehr ohne das Schreiben vorstellen. Sie macht nächstes Jahr als erster G8-Jahrgang in der doppelten Jahrgangsstufe Abitur. Mit ihr kann man sich über die meisten Themen in Politik, Sport und Gesellschaft stundenlang unterhalten, aber wenn sie gerade ein spannendes Buch liest, ist sie nicht anzusprechen.

12 Kommentare

  • avatar Moritz Clauß 13:17 Uhr 6. Juli 2011

    Das Getreide fehlt ja nur dann, wenn es auch aus den jeweiligen Krisenregionen importiert wurde. Insgesamt ist genug für alle Menschen da. Nur ist bei den einen eben viel zu viel und bei den anderen viel zu wenig. Dazu gibt es einen guten Artikel und eine Doku beim NDR.

  • avatar Gloria Neugebauer 18:59 Uhr 6. Juli 2011

    Sehr guter Artikel!

    Heute steht kaum! noch eine Kuh auf der Wiese (so wie es die Werbung vormacht). Viele Kühe sind eingepfercht und haben kaum Platz. Die Euter sind total eitrig und sie schreien oftmals vor Schmerzen. Die meisten wissen noch nicht einmal, dass es keine lila Kuh gibt ;-) (siehe MILKA und Co.)

    Was ist ethisch und moralisch vertretbar? Nur weil wir als Kind beigebracht bekommen haben, eine Katze / ein Hund ist süß, niedlich, klein und kann man streicheln, bedeutet das nicht, dass eine Kuh, ein Schwein etc. weniger “WERT” ist bzw. so behandelt werden darf. Sonst könnte man ja auch hingehen und eine Katze / Hund essen…da schütteln aber die Deutschen den Kopf und sagen “bäh”…andere Länder, andere Sitten….

    Wir beuten die Tiere aus, quälen sie, essen sie und das zum BILLIG-PREIS. Wo ist das fair? Wenn jeder einzelne selbst ein wenig mehr darüber nachdenken würde WOHER sein Fleisch, seine Milch, seine Produkte kommen, so wäre ein Anfang da…viele WOLLEN ES NICHT WISSEN und antworten mit: “ist mir egal”, “damit kann ich leben”, “weiß nicht”…ach das sind ja nur TIERE….

    Schade….. dass es weiterhin Minderheiten gibt und die Großkonzerne daran weiter verdienen auf Kosten der Tiere……………..

    Wer sich dafür interessiert:
    Peter Singer
    PETA Deutschland
    Helmut F. Kaplan

  • avatar Thomas Klüpfel 00:14 Uhr 7. Juli 2011

    “ist mir egal”, “damit kann ich leben”, “weiß nicht”…ach das sind ja nur TIERE….

    das hör ich leider ( ! ) so oft .. MIR SCHMECKT ES!!!! ( Betonung liegt auf ES ) UND ICH HAB KEIN PROBLEM DAMIT !!!

    aber ich bin voll der Hoffnung, dass dieses abscheuliche, häßliche Kapitel der Menschen auf dieser Welt die sich das anmassen zu reden und zu tun wie es ihnen beliebt sich nun endlich dem Ende zuneigt-die
    vernünftigen Stimmen werden immer lauter ….und lauter….

  • avatar Günter Jooß 07:44 Uhr 7. Juli 2011

    Die Kuh und der Gerstetter Bürgermeister

    Der Link:
    http://www.swr.de/landesschau-bw/-/id=122182/did=8258416/pv=video/nid=122182/rvqg82/index.html

    oder unter Google : Gerstetten Kuh

    man kann nur sagen armer Landwirt
    die Verantwortlichen der Gemeinde haben ja keine Schuld

  • avatar Dani 09:53 Uhr 7. Juli 2011

    Kühe sind wundervolle, schöne Wesen.

    Alle Tiere sind es wert für dessen Belange einzutreten – unabhängig davon, ob sie für den Menschen von Nutzen sind oder nicht. Tiere empfinden wie wir Schmerz und Angst, Freude und Liebe. Sie trauern, haben Vorlieben, machen sich Gedanken und hängen an ihrem Leben. Aus diesem Grund ist es ethisch nicht vertretbar, Tiere zu behandeln, als wären sie lediglich dazu da, dem Menschen als Nahrung und Kleidung, zur Unterhaltung, für Experimente oder andere Zwecke zu dienen. GO VEGAN, das ist der einzig sinnvolle Weg!! Und zum Glück werden es ganz langsam immer mehr, die es kapieren!!!

  • avatar Jan 11:10 Uhr 7. Juli 2011

    @Moritz Claus:
    “Das Getreide fehlt ja nur dann, wenn es auch aus den jeweiligen Krisenregionen importiert wurde. Insgesamt ist genug für alle Menschen da.”

    Und genau das wird getan. Getreide, Mais und vor allem Soja wird aus Ländern importiert, die für ihre eigene Bevölkerung nicht genug haben. Aber solange westliche Länder für diese Nahrung höhere Preise zahlen können gehen arme Menschen in diesen Ländern leer aus.

    Stimmt, insgesamt ist genug für alle da. Aber nicht, wenn wir 30% der Weltgetreideernte und 80% der Weltsojaernte an Tiere verfüttern. Deutschland produziert im Jahr 82 kg Fleisch pro Person, das wäre mit der Ackerfläche hier allein nicht möglich.

    • avatar Moritz Clauß 13:10 Uhr 7. Juli 2011

      Doch, selbst dann ist immer noch genug für alle da. Das Problem ist nur, dass wir vor allem im Westen (Europa und Amerika) eine Wegwerfgesellschaft haben. Brot, das einen Tag alt ist, wird weggeworfen. Joghurt, der einen Tag über dem Verfallsdatum liegt, wird weggeworfen. Berge von Nahrungsmitteln, von guten Nahrungsmitteln, werden jeden Tag weggeworfen, während die Menschen anderswo auch mit dem härtesten Brot zufrieden wären.

      • avatar Sonja 16:47 Uhr 8. Juli 2011

        Getreide hin, Getreide her. Darum geht es doch überhaupt nicht allein.

        Es geht hier um die Würde und das Rechts eines jeden Lebewesens in Freiheit zu leben
        und nicht leiden zu müssen.

        Fakt ist: Alle Tiere, die in Menschenhand sind, leiden – manche mehr, manche weniger.
        Aber warum müssen manche Tierarten so viel mehr leiden als andere? Haben sie weniger
        Empfindungen oder weniger Recht auf ein würdevolles Leben als die anderen?

        • avatar Felizia Göltenboth 20:30 Uhr 10. Juli 2011

          Natürlich geht es auch darum, keine Frage. Und all die Details sind so furchtbar und beschämend. Aber ich denke dass man etwas ändern kann, wenn sich die Tierhaltung negativ auf den Menschen niederschlägt und die Menschen beginnen, darüber nachzudenken, was man an der Tierhaltung ändern könnte, damit der Mensch am Ende besser wegkommt, also z.B. keine riesigen Umwelt- und Nahrungsprobleme hat. Viele Menschen sind nuneinmal egoistisch, denken leider nicht uneigennützig an das Wohl der Tiere, und können nur so bewegt werden.

  • avatar Bianca Witt 12:19 Uhr 7. Juli 2011

    Wissen Sie eigentlich…

    .…dass Kühe permanent künstlich geschwängert werden, damit sie nicht nur vorübergehend, sondern ständig Milch produzieren können?

    ….dass die Kälbchen sofort nach der Geburt den Müttern entrissen werden und die Kinder tagelang nach ihren Müttern und die Mütter tagelang nach ihren Kindern schreien?

    .…dass nach vier Trächtigkeiten und einer anschließenden Melkdauer von jeweils ca. 300 Tagen, die Tiere völlig ausgemergelt und erschöpft sind und sie dann beim Schlachter „entsorgt“ werden, obwohl die Natur eine 30 Jahre lange Lebensdauer für sie vorgesehen hat?

    ….dass die Melkmaschinen chronische Schäden an den Zitzen und schwere, schmerzhafte Euterentzündungen verursachen?

    ….dass Kühe normalerweise Hornträger sind, die Hörner aber im Kindesalter ohne Betäubung herausgebrannt werden, was schreckliche Schmerzen verursacht?

    ….dass Milch krank macht?

  • avatar Felizia Göltenboth 15:35 Uhr 7. Juli 2011

    In Ländern mit wachsender Mittelschicht so wie Indien wird Fleisch als Lebensmittel immer beliebter, weil es Luxus und Wohlstand bedeutet. Die Lust auf Fleisch ist leider so groß, dass die meisten Leute, die es in Entwicklungsländern zu etwas gemacht haben, gleich darauf in großen Mengen zugreifen und so die westliche Esskultur nachahmen. Da muss dann nicht mal groß importiert werden, um anderen Menschen sozusagen das Getreide wegzuessen.

  • avatar Antonietta 10:37 Uhr 8. Juli 2011

    Ein Deutscher isst ungefähr 200 Gramm Fleisch pro Tag. Macht jährlich etwa 80 Kilo Fleisch pro Kopf und rund 6,5 Milliarden Kilo Fleisch für das ganze Land. Eine solche Masse an Fleisch kann man aber nur bereit stellen, wenn man die Tiere in Massen züchtet und im Akkord tötet. Diese Massentierhaltung ist nicht nur furchtbar für die Tiere, sie ist auch schlimm für unsere Umwelt, für das Klima und für die Gerechtigkeit auf der Welt. Es gibt viele gute Gründe, nie mehr Fleisch zu essen. Aber eigentlich reicht schon einer…!

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