Da läuft was schief – eine Kritik der aktuellen Politik | acht9

Da läuft was schief – eine Kritik der aktuellen Politik

Jeder macht mal Fehler. Auch Politiker. Doch vor allem ihnen fällt Einsicht oft schwer, da sie in vielen Fällen ihrem Ansehen und dem Ansehen ihrer Partei schaden kann. Das Wohl der Bevölkerung wird da schnell mal in den Hintergrund gedrängt, kritisiert acht9-Redakteur Moritz Clauß.

Erschienen am Samstag, 10. September 2011


Die Bundeskanzlerin und ihre Minister lassen sich nicht von Kritikern beeindrucken. – Foto: dpa

Irren ist menschlich. Eine Lebensweisheit, die wir alle kennen. Und auch, wenn es uns oft schwer fällt, so müssen wir uns doch eingestehen: Jeder von uns irrt sich regelmäßig. Jeder von uns muss oft feststellen, dass er falsch gelegen hat. Ja jeder von uns muss regelmäßig erkennen, dass die anderen recht hatten.

Vor einigen Wochen hat der Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), Frank Schirrmacher, einen Artikel zur aktuellen Wirtschaftskrise geschrieben. Der Titel: “Ich beginne zu glauben, dass die Linke recht hat”. Ein konservativer Journalist zeigt Einsicht. Und kritisiert, dass andere es nicht tun.

Gregor Gysi (Die Linke) wiederum hat in seiner Bundestagsrede am 7. September Schirrmacher und andere konservative Publizisten zitiert, die nun an ihren alten Vorstellungen und Annahmen zweifeln. Und er hat die Regierung dafür kritisiert, dass sie stur ihren Weg fortsetzt, der selbst von Ex-Kanzler Kohl und Bundespräsident Wulff scharf gerügt worden ist.

Du bist nichts, deine Partei ist alles

Ich gebe Gysi in seiner Kritik vollkommen recht. Aber ich weite sie auch aus: Denn es sind nicht nur die Politiker der Union und FDP, die in vielen Fällen kaum oder erst spät zur Einsicht bereit sind. Die blind auf ihrer Meinung beharren, komme was wolle. Es sind auch Politiker der anderen Parteien. Es sind vermutlich die meisten Politiker des deutschen Bundestags, denen es noch schwerer als vielen von uns fällt, Fehler öffentlich einzugestehen. Einfach, weil das Eingestehen eines Fehlers in der Politik bedeutet, einer anderen Partei recht zu geben.

Du bist nichts, deine Partei ist alles – dieser Satz ist mit Sicherheit überzogen, aber ein bisschen etwas könnte doch dran sein. Politiker kandidieren für ihre Partei. Sie engagieren sich für den Erfolg ihrer Partei. Das ist etwas, was mich an unserer Parteiendemokratie stört: Politiker wollen mit ihrem Vorgehen immer auch ihre Partei stärken. Sie kritisieren ihre Gegner scharf für deren Vorgehen und rücken sich selbst ins rechte Licht. Dabei sollte es in der Politik nicht vorrangig um die Parteien gehen. Es sollte um die Menschen gehen. Um die Bevölkerung. Um mich, um dich und um Sie.

Die Menschen da draußen – ich, du und sie – sind nicht so blöd, dass sie dieses Spiel der Politik nicht verstehen. Ja, sie verstehen es. Deshalb sind viele politikverdrossen. Wissen nicht, was sie noch wählen sollen, “weil sowieso alle Parteien den gleichen Mist und nichts für uns machen”. Viele gehen deshalb gar nicht mehr zur Wahl. Das ist schlimm, doch noch schlimmer ist, dass die Politiker diese Zeichen nicht beachten. Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern gingen lediglich 53% der Wähler zur Urne. Diese Wahlbeteiligung ist schlichtweg miserabel. Die SPD ließ sich davon jedoch nicht in ihrem Jubel stören. Ihr ausgelassenes Feiern eines Wahlergebnisses bei einer derartig niedrigen Wahlbeteiligung ist fast schon pervers.

Vom Volk legitimiert, um für das Volk zu regieren

Die Politik sollte sich wieder verstärkt in Erinnerung rufen, dass sie das Volk nicht nur regiert, sondern dass sie vor allem auch für das Volk regiert. Und dass es in diesem Bezug nicht nur okay, sondern auch wichtig ist, eigene Fehler einzugestehen. Dann kommt es vielleicht auch öfter vor, dass grüne Politiker bei der Rede eines Linken applaudieren. Oder die SPD-Fraktion bei der Rede eines Regierungsvertreters. Denn oft sagen Politiker verschiedener Parteien in ihren Reden das Gleiche, oder zumindest ähnliche Dinge. Aber nur aus dem Mund eines Fraktions- oder Koalitionskollegen – so mein Eindruck – halten sie diese Dinge auch für unterstützenswert.

Vielleicht liegt es an meinem jungen Alter. Vielleicht bin ich auch einfach zu idealistisch, oder verträumt. Doch aktuell ist es so, dass ich mich mit unserer Demokratie und den im Bundestag vertretenen Parteien kaum identifizieren kann. Und das nicht etwa, weil ich undemokratisch wäre. Sondern einfach, weil mir diese Demokratie, die wir aktuell in Deutschland haben, zum Hals raushängt. Weil ich das endlose Reden und aufeinander Herumhacken nicht mehr sehen kann. Die Hasstiraden, Hahnenkämpfe und den Lobbyismus. Das alles gibt mir das Gefühl, dass es nicht um uns, nicht um die Menschen geht. Und das finde ich, um zu einem ganz simplen Abschluss zu kommen, einfach nur traurig.



ÜBER DEN VERFASSER
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Moritz Clauß hat 56 Artikel für acht9.de geschrieben.

Moritz (Twitter) studiert Sozialwissenschaften an der Universität Augsburg mit dem Berufsziel "irgendwas mit Medien und Internet". In seiner Freizeit mag er Frösche, macht Computerkram und schreibt.

7 Kommentare

  • avatar Klischeepunk 12:44 Uhr 10. September 2011

    100% meine Meinung. “Fraktionszwang” fehlt mir noch. Wenn ich das GG gegenüberstell wird mir übel.
    (Gut ist indirekt mitangesprochen)

    Was ich dabei lustig find ist, dass diverse Leute bei den Piraten in Berlin sagen: Die hohen Umfragewerte erreichen sie weil sie authentisch sind. Warum also weniger davon statt mehr davon, wenn man sich vor diesen Kleinstparteien schon fürchtet?

    Anyways schöner Kommentar.

  • avatar gegenFilz 00:20 Uhr 11. September 2011

    Vielen Dank für diesen ausgezeichneten Artikel! Es macht mir Mut, daß ein junger Mensch so klare Worte findet. Der Artikel sollte auf jedem Politiker-Schreibtisch landen! Weiter so!

  • [...] fortsetzt, der selbst von Ex-Kanzler Kohl und Bundespräsident Wulff scharf gerügt worden ist. (weiter auf acht9.de) Veröffentlicht in Bloggerei | Keine Kommentare [...]

  • avatar Mathis Richtmann 13:49 Uhr 12. September 2011

    Danke dir ;-). Das ist, was mich seit langer Zeit schon bangen macht!

  • [...] Von Moritz Clauß [...]

  • avatar Angelina Fröhlich 23:23 Uhr 15. September 2011

    Hallo Leute. Sagt mal, gehen euch die Politiker nicht auch so langsam auf die Nerven?
    Es wird Zeit, das die gute Frau Merkel, erstmal den Herrn Rößler auf’m Pott setzt, aber ganz gewaltig.
    Und natürlich auch die anderen von CDU/CSU-Seehofer & Co. und FDP. Die sollen jetzt endlich mal sehen, das sie den Griechen helfen, und keine dummen und unüberlegten Sprüche klopfen. Es reicht jetzt.
    Leider hat die gute Frau Merkel “Angst” scheint mir jedenfalls so. Tut mir leid das sagen zu müssen.
    Frau Merkel ist für mich keine Bundeskanzlerin, weil Sie Angst hat ihre eigenen Leute unter ihren Fittichen zu halten. So sieht’s aus. Herr Rößler sollte sein Amt aufgeben. Am besten gleich die ganze FDP, denn die sind nicht mehr tragbar.
    Vielen Dank für Ihr Interesse

    M. f. G.

    Angelina Fröhlich
    P.S. Das ist meine offene Meinung zur jetzigen Politik.

  • avatar Angelina Fröhlich 14:09 Uhr 19. September 2011

    Hallo Leute, ich sag ja immer wieder vor der Wahl ist nach der Wahl, es hat sich nicht’s geändert.
    Frau Merkel macht so weiter wie bisher. Es ist doch nicht’s gewesen. Die FDP genau das gleiche, jetzt erst recht. Also sagt mal, sind die noch ganz bei trost? Ich glaube nicht.
    Was meint ihr denn dazu? Es wäre wohl besser, wenn es so schnell wie möglich “Neuwahlen” gibt.
    Die CDU/CSU und die FDP halten sich sowieso nur noch 2 Jahre bis 2013, wenn überhaupt.
    Und sie sollen mal sehen, das sie das mit Griechenland endlich auf die Reihe kriegen, sonst endet das ganze Chaos mit einer handfesten Wirtschaftskrise für alle Länder, dann ist die Kacke echt am dampfen. Die sollen sich endlich zusammenschließen, und den Griechen helfen.

    P.S. Leute hört genau zu. Ich hatte schon mal gesagt, es wird nicht den Griechen geholfen, sondern den griechischen Banken usw. das ist ein ganz großer Unterschied, zudem was die CDU/CSU/FDP euch allen weiss machen will. Glaubt denen kein Wort. So verdreht man nämlich die Worte im Mund. Das finde ich eine große “Sauerei”. Ihr müßt nicht für die Schulden der Griechen aufkommen, das stimmt garnicht.
    Die Politiker wollen ganz einfach nicht mehr helfen, so sieht es aus. Glaubt mir.

    Vielen Dank für Euer Interesse.

    M.f.G

    Angelina Fröhlich

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