Twilight 4 – Kritik aus fremden Reihen
Twilight hier, Twilight da. Als Junge kann man da schon ein bisschen verrückt werden. Und damit Mann wenigstens weiß, was ein "Team Edward" ist, sieht er sich die Filme eben auch an. Eine Kritik aus der Jungsecke.

Bella und Edward – Foto: Concorde Filmverleih
Oh Gott, was will der denn hier? Ein Junge schreibt eine Review zu einem Twilight-Film? Er wird den Film ohne vernünftige Argumente schlecht machen und auf ihm herumhacken. Oder auch nicht – gebt ihm wenigstens eine Chance!
Ja, wir Jungs haben’s in all den Jahren mitgekriegt. Am Anfang, als es nur die Bücher gab, noch nicht so wirklich – irgendetwas mit Mittagsstunde und schönen Augen, aber so einen richtigen Reim konnten wir uns darauf nicht machen. Als dann allerdings alle Mädels in die Kinos gerannt sind, waren wir doch etwas perplex und wollten wissen, was euch Mädchen da gerade so begeistert. Der ein oder andere mag sogar soweit gegangen sein, und einen (oder gar mehrere) der ersten drei Teile im Kino gesehen zu haben – vielleicht ja bei einem Date, bei dem man die vermeintlich Zukünftige gleich am Anfang voll und ganz von sich überzeugen wollte. Ich für meinen Teil muss zugeben: Ich habe nicht nur den vierten Teil, sondern auch die ersten drei Teile gesehen.
Endlich einer, der uns versteht, werdet ihr denken. Nunja, nicht ganz. Den ersten Teil finde ich ganz unterhaltsam – wirklich gut ist er in meinen Augen nicht. Teil zwei wiederum gelingt es, noch deutlich mieser daherzukommen. Kindische Gefühlskonflikte und frühpubertäre Ausraster… ich muss zugeben, dass ich danach ein bisschen am weiblichen Geschlecht gezweifelt habe. So eine langatmige Story gefällt euch? Doch dann kam der dritte Teil, und mit ihm ein kleiner Lichtblick. Nicht nur, dass es jetzt endlich einmal ein paar richtige Kämpfe giebt – ihr wisst ja, wir Jungs stehen auf große Schlachten, sei es vor Troja oder Helms Klamm –, sondern vor allem, weil die Charaktere schrittweise die Pubertät verlassen – das wurde aber auch Zeit.
Kommen wir nun aber zum Hauptteil dieses Beitrags: Der Review vom vierten Teil der Twilight-Saga. Aus der Jungensicht.
Der vierte Twilight-Teil macht zu Beginn durchaus den Anschein, als könne er das Niveau, an dem Teil drei hin und wieder kratzt, durchgehend halten. Klar, die Hochzeit von Bella und Edward ist mehr als schnulzig, aber bis zu den Flitterwochen sieht doch alle ganz nett und erträglich aus. Dann jedoch schafft Edward es gekonnt, aus einer winzigen Mücke so einen gigantischen Elefanten zu machen, dass einem Hören und Sehen vergeht. Wenn jeder bei ein paar blauen Flecken so ausrasten würde, hätten wir auf der Erde wohl eine Suizidrate von 100%.
Nach diesem Niveauschock pendelt sich der Film bei der gewohnten Mischung aus Fremdscham (“Das kann doch nicht deren Ernst sein!”) und positiven Ansätzen (so à la “sie versuchen ja wenigstens, etwas daraus zu machen”) ein. Positiv anzurechnen ist dem Film, dass es neben den üblichen pubertären Streitereien wie schon im dritten Teil auch einige vernünftige Dialoge gibt. Außerdem ist den Machern in der Mitte des Streifens erstmals so etwas wie ein Spannungsaufbau gelungen. Das Ende von Twilight 4 ist dann jedoch erneut langatmig und lässt jegliche Spannung vermissen. Die Macher geben sich zwar spürbar Mühe, alles möglichst aufregend zu gestalten, doch letzten Endes ist der gesamte Schluss für jedermann vollkommen vorhersehbar.
Was dem Film und auch seinen Vorgängern am meisten fehlt, ist denke ich Mut. Die Handlung ist meist unspektakulär, weil sie keine überraschenden oder mutigen Wendungen mit sich bringt. So gibt es in allen Filmen Kämpfe, aber nie kommt auch nur ein einziger wichtiger Handlungsträger wirklich in Gefahr. In Teil vier wird zwar mit allen Mitteln versucht, Bella möglichst knapp am Jenseits vorbeischlittern zu lassen, aber da bis dahin alles “Friede, Freude, Eierkuchen” ist, nimmt man dem Film diese Bedrohung keine Sekunde lang ab. Ein magischer Schutzwall scheint alle Cullens und Wölfe zu beschützen, ebenso Bella, ihre Familie und Freunde. Das Ergebnis ist eine gewisse Eintönigkeit und eine Story, in der es fast immer nur um das eine geht: Ein Mädchen liebt zwei Jungen, die zwei Jungen sind Rivalen, und alle feixen sich kindisch an und halten dann doch wieder zusammen. Für ein Kino-Großereignis braucht es in meinen Augen mehr. Viel mehr.






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