Claudias Plattentipps | acht9

Claudias Plattentipps

Lust auf neue Musik? The Dead Trees und Phrasenmäher haben neue Alben herausgebracht.

Erschienen am Freitag, 16. Dezember 2011

Phrasenmäher: Heimathiebe Vol. 1 (Flowfish Records)

Poppoeten wie Musiker schnippen beim ausgiebigen Touren gern die Inspiration mit einer Kippe aus dem Tourbus. Vielfalt adieu, On-the-Road-Zelebration ahoi! Was bleibt sind mäßig interessante Erlebnisse vor, während und nach den eigenen Auftritten textlich zu verwursten. Gähn. Davon, dass sie in den vergangenen zwei Jahren 130 Konzerte in mehr als 80 deutschen Städten gaben, erzählt auch die neue CD von Phrasenmäher. Deren Titel „Heimathiebe Vol.1“ deutet aber schon an, dass es dabei um mehr geht als ein subjektiv gefärbtes, gitarrenriffuntermaltes Fahrtenbuch. Die 20 Stücke bilden den ersten Teil eines ambitionierten Projekts: Die Hamburger Brüder Jannis und Lenne Kaffka sowie der Weimarer Martin Renner wollen die Deutschlandkarte vertonen, und zwar indem sie für jede durchtourte Stadt eine Hymne mit eigenem musikalischen Stil und thematischen Aufhänger finden. Musikalisch bewegen sie sich dabei zwischen Bänkelgesang, Roots-Reggae und Musikkabarett, begleitet wird der dreistimmige Gesang neben klassischer Rockinstrumentierung mit Ukulele, Akkordeon und Melodika. In die Texte fließen freie Assoziationen ebenso wie Hintergrundwissen ein. Gewitzt, zum Teil dialektal gefärbt, verpacken die Wortjongleure ihre Tourstationen so in gesangliche Vignetten. Auf Crailsheim reimt sich „Vereinsheim“ und zu Augsburg fällt dem Trio „Fugger-Fugger-Puppenkiste-Brecht“ ein. Derzeit sind Phrasenmäher als Vorband der Fantastischen Vier unterwegs. Die CD gibt’s am Merch-Stand.

The Dead Trees: Whatwave (Affairs of the Heart)

Michael Ian Cummings trägt wie Albert Hammond Jr. einen berühmten Namen. Während Hammonds Vater jedoch definitiv der bekannte Musiker Albert Hammond und damit Autor von Evergreens wie „It Never Rains in Southern California“ ist, lässt sich eine Verwandtschaft zwischen ersterem und dem Dichter E. E. Cummings nicht belegen. Mit The-Strokes-Gitarrist Hammond Jr. aber verbindet seine – wie der Poet aus Massachusetts stammende – Band The Dead Trees noch mehr: Mit denen traten die vier Jungs aus Boston schon öfter auf, und nach ihnen klingen sie auch. Andere der zwölf gitarrenlastigen Indie-Pop-Stücke auf ihrem zweiten Album „Whatwave“ (Affairs of the Heart/Indigo) lassen in ihrer scheinbar unbekümmerten Schlichtheit an Adam Green denken. Auch mit ihm waren The Dead Trees schon auf Tour. Weitere erkennbare Vorbilder: Velvet Underground und Beatles. Alles sehr gut gemacht, angenehm, eingängig, abwechslungsreich, zum Mitwippen ebenso wie zum ausgelassenen Hüpfen. Hypeverdächtig. Heute lebt Dead-Trees-Sänger und -Gitarrist Michael Ian Cummings übrigens in Los Angeles. Auch das hört man der Platte an: Bei aller hippeligen Fröhlichkeit ist deren Grundhaltung so entspannt wie es sonst nur kalifornischen Surfern nachgesagt wird.



ÜBER DEN VERFASSER
avatar

Claudia Reicherter hat 19 Artikel für acht9.de geschrieben.

Claudia Reicherter arbeitet in der Kulturredaktion der SÜDWEST PRESSE und interessiert sich für alles, was mit Musik zu tun hat und fährt auch deswegen gerne mal nach Norwegen.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

 


* Diese Angaben sind Pflichtangaben!
Wie bekomme ich einen Avatar? Wenn Du neben deinen Kommentaren einen Avatar anzeigen lassen möchtest, kannst Du Dich einfach bei gravatar.com oder einem ähnlichen Dienst registrieren. Um Deinen Gravatar dann hier oder auf anderen Blogs zu nutzen, musst Du beim Kommentieren einfach die Mail-Adresse angeben, unter der Du auch Deinen Avatar gespeichert hast.