Urlaub in Polen im Eden
Nach fünf veröffentlichten Studioalben ist Schluss. Im Rahmen ihrer Abschiedstour bespielten Urlaub in Polen das Ulmer Eden. Was die Zuschauer hier zu hören bekamen, ist schwer zu definieren. Urlaub in Polen bewältigen den Spagat zwischen Prog und Rock, Indie und Electro mit Bravour und werden vom Publikum zurecht abgefeiert.

Urlaub in Polen gaben im Eden ihr Abschiedskonzert. – Foto: Christian Faustus
Kurz nach 22 Uhr, die beiden Musiker von Urlaub in Polen betreten die Bühne, Multiinstrumentalist, Sänger und Obernerd Georg Brenner bedient seinen Synthesizer und eine Welle an elektronischen Klängen breitet sich im Club aus. Dann setzt der Gesang ein, schön laut. Daran können sich andere Clubs ein Beispiel nehmen und auch das Schlagzeug ist ordentlich abgemischt.
Schnell wird klar, Urlaub in Polen sind eine hervoragende Live-Band. Der Opener “Theodore Flames”, auf Platte nicht einmal sechs Minuten lang, überschreitet nach einem ausuferndem Gitarrensolo locker die zehn Minutengrenze. Dann “Snowwhite”. Der Song besticht mit seiner blubbernden Elektronik, dem wuchtigen Beat und dem entrückten Gesang. Ab und an eine hallende Gitarre und Synthieflächen. Auch dieser Song dehnt sich Live deutlich in die Länge. Nach den eben erwähnten “Theodore Flames” und “Snowwhite” nun “Wanderlust”. Wäre diese Band nicht so klein, unbekannt, diese drei Songs wären wohl die, die jeder als klare Hits bezeichnen würde. Also, drei Hits eröffnen das Konzert.
Schnell wird klar, die Band hat große Lust zu spielen und das Publikum geht auf die Musik des Duos gerne ein. Brenner nutzt jeglichen Freiraum der Bühne, tobt sich aus, die Gitarre fest in der Hand spielt er seine von Hall und sonstigen spaceigen Effekten strotzenden Riffs und singt verzweifelt: “I hope you’re still feeling fine/ When nothing last, I do my best”, hallt es durch den Raum. Kein Song kommt ohne Delay auf Brenners Stimme aus und so erzeugt die Band eine Atmosphäre, die für ein Duo doch recht erstaunlich ist. Jan Philipp Janzen spielt dazu die Beats mit solch einer Perfektion, es scheint als stehe man neben einem Drumcomputer.
Das Konzert nimmt seinen Lauf, hier mal ein mächtiges Riff, dort eine elektronische Spielerei, bei der man genau hin hören muss, um das Schema zu entdecken. Es wird klar, die Spielereien auf den Platten arten während dem Konzert beinahe immer aus, was aber keinesfalls stört, im Gegenteil. Urlaub in Polen sind als Live-Band deutlich härter, eher dem Noise-Prog-Rock einzuordnen.
Nach etwa 45 Minuten und einem von Energie und gewollten, angenehmen Krach erfüllten letzten Song bedankt sich die Band beim Publikum und verlässt die Bühne. Das Delay auf dem Mikrofon Brenners hallt mit einem letzten “Dankeschön” lange durch den Raum. Das Publikum will mehr. Zwei weitere Songs werden als Zugabe gespielt, dann ist Schluss. Die etwa 50 Besucher feiern die Band mit Applaus und Pfiffen für ihre abgespacete Show, die große Lust am spielen und den wirklich würdigen Abschied.







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