Mit Theater zum Abi
Theaterspielen als Abifach - das ist seit drei Jahren an der Ulmer Waldorfschule Römerstraße und Illerblick möglich. Wer sich davon überzeugen will, wie gut Abiturienten schauspielern können, kann sich am Wochenende 20./21. Januar das Stück „Verbrennungen“ anschauen.

Mickel Mayer, der einen traumatisierten Soldaten spielt, und Sophie Nase als Kriegsfotografin. – Foto: Rebecca Braunegger
Theater als Abifach? Gibt es das? Ja, nämlich seit dem Schuljahr 2007/2008 als Wahlfach.
Wir, 19 Schüler der Freien Waldorfschulen Römerstraße und Illerblick, haben gemeinsam das Stück „Verbrennungen“ des libanesischen Schriftstellers Wajdi Mouawad eingeübt, das wir am Wochenende (20./21. Januar) öffentlich aufführen.
Zuvor hatten wir gut eineinhalb Jahre zwei Stunden die Woche Unterricht im Fach „Theater“. Wir haben dramaturgische Stilmittel, wie die „Brechtsche Verfremdung“ oder die „Commedia dell’arte“, kennengelernt. Die Theatertechniken haben wir anhand literarischer Grundlagen praktisch erlernt. Das heißt, man muss nichts schreiben, aber eine umfangreiche Kreativmappe mit eigenen Ideen, kommentierten Protokollen und Materialien füllen.
„Theater“ zählt wie ein mündliches Fach ins Abitur. Die Note setzt sich aus Aufführung, Kreativmappe, Klausuren (Interpretation und Darstellung von Liebeslyrik und Textpassagen in Zweiergruppen) und der Mitarbeitsnote zusammen.
Für die Erarbeitung des Stückes hatten wir nur zwei Stunden am Tag innerhalb von dreieinhalb Wochen – parallel zur sonstigen Abivorbereitung. Die letzten Tage vor den Aufführungen waren wir vom Unterricht freigestellt. Wir mussten aber Freizeit opfern, um den großen organisatorischen Aufwand von Bühnengestaltung, Kostümen, Beleuchtung, Öffentlichkeitsarbeit und vor allem der Proben in der Endphase, meistern zu können.
„Verbrennungen“ handelt vom Lernen, zu verstehen. „Lerne lesen, lerne schreiben, lerne rechnen, lerne reden, lerne, Nawal, das ist die einzige Möglichkeit, um nicht zu sein wie wir, um den Faden zu zerreißen“, schärft die Großmutter Nawal ein – der es trotzdem nicht gelingt, dem Hass, der physischen und psychischen Gewalt in ihrem Leben zu entkommen. Durch Folter und Vergewaltigung gebrandmarkt, zwingt Nawal sich zum Schweigen. Sie zieht so den Zorn ihrer Zwillingskinder auf sich, die erst nach ihrem Tod von einem unbekannten Bruder und Vater erfahren. Die Zwillinge begeben sich auf die Suche nach dem Grund des Schweigens ihrer Mutter und ihrer eigenen Identität. Was sie finden, ist überraschend und gleichwohl unvorstellbar schrecklich…
Eine brandaktuelle Thematik – derartige Dinge passieren immer noch in vielen Ländern der Erde.
Die Proben verliefen produktiv, mit Zeitdruck im Nacken. Kleinere und größere Missstände und Probleme haben wir erfolgreich bewältigt, sodass wir uns auf die Premiere freuen.
Info
Das Stück „Verbrennungen“ ist heute und morgen Abend ab 20 Uhr im Saal der Waldorfschule Römerstraße zu sehen.






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