Pistenleben
Auf der Piste ist Daniel Bohnacker aus Gerhausen seit Kindesbeinen zu Hause. Seit vergangenem Jahr gehört er zur Weltspitze der Skicrosser, hat einen Weltcupsieg zu verbuchen. Der 21- Jährige spricht darüber, was auf der Piste so abgeht und über seine Art Ski zu fahren.

Der Gegner ist ihm dicht auf den Fersen – Daniel Bohnacker (rechts) beim Freestyle Ski Cross World Cup 2011.
Du fährst ja nicht einfach nur Alpin-Ski, sondern eine besondere Variante. Kannst Du kurz erklären, was genau du machst?
DANIEL BOHNACKER: Ich fahre Ski-Cross. Man fährt zu viert die Piste runter. Die Strecke unterscheidet sich auch deutlich vom Alpin-Ski: Es sind Wellen, Sprünge und dergleichen eingebaut.
Kommt man sich da nicht ins Gehege?
DANIEL: Doch, klar. Alle starten ja gleichzeitig, und jeder will auf die Ideallinie. Da kommt es schon mal zu Körperkontakt und natürlich auch zu Stürzen.
Wie bist Du zu dieser Sportart gekommen?
DANIEL: Eher durch Zufall. Ich habe mit Alpin-Ski angefangen, die Aussicht, an die Weltspitze zu kommen, wurde aber immer geringer. Dann bekam ich eine Einladung zum Ski-Cross und hab’ einfach mitgemacht. Und es hat mir gefallen.
Was ist für Dich der Reiz daran?
DANIEL: Man sieht direkt, gegen wen man fährt und wen man überholen muss – nur die beiden Schnellsten kommen ja immer eine Runde weiter. Beim Alpin-Ski sieht man das Ergebnis erst hinterher auf der Zeittafel.
Deiner Beobachtung nach – was ist gerade der Hit unter jungen Leuten auf der Piste?
DANIEL: Ich würde sagen, der Trend zum Snowboard geht zurück. Es wird wieder mehr Ski gefahren, vor allem Freestyle und in den Funparks mit Hindernissen, Sprüngen.
Welche Rolle spielt Ski-Cross?
DANIEL: Das Niveau wird höher, und mehr Menschen interessieren sich dafür. Man kann die Sportart ja erst machen, wenn man im normalen Alpin-Ski sehr sicher ist. Aber so ab 16 steigen immer mehr Jugendliche um.
Wie sieht es mit der Coolness aus? Es war ja durchaus die Ansicht verbreitet, Snowboarden sei cooler als Skifahren. Wie siehst Du das?
DANIEL: Das ist jedem seine eigene Sache, würde ich sagen. Es kommt schließlich darauf an, was man auf der Piste macht. Aber es stimmt schon, die Snowboarder kamen sich cooler vor. Ich glaube, das lag vor allem daran, dass früher nur Snowboarder in den Fun-Parks waren und auch nach dem Boarden zusammen abhingen. Aber das ist jetzt ja nicht mehr so, die Skifahrer kommen auch in die Parks.
Gibt es Reibereien zwischen Skifahrern und Snowboardern?
DANIEL: Nee, eigentlich nicht. Das sind zwar zwei unterschiedliche Szenen, aber es gibt keine größeren Zusammenstöße, soweit ich weiß.
Warum denkst Du, dass wieder mehr Leute Skifahren als boarden?
DANIEL: (überlegt). Das kann ich schwer beurteilen. Für mich ist Skifahren flexibler. Und ich glaube, es ist auch etwas einfacher, auch im Park. Man kann mehr ausgleichen, dadurch dass man beide Beine einzeln bewegen kann und auch die Stöcke hat.
Bist Du jemals selbst auf einem Snowboard gestanden?
DANIEL: Nee, noch nie. Dafür fehlt mir einfach die Zeit. Wenn ich mal Zeit habe, dann fahre ich lieber frei Ski mit Freunden oder der Familie.
Nochmal zurück zum Cool-Faktor? Spielt das eine Rolle auf der Piste?
DANIEL: Also, für mich nicht! Aber es ist schon der Trend unter jungen Leuten, dass der Style ziemlich viel zählt. Man sieht immer mehr Jugendliche mit den Hosen in den Kniekehlen, XXL-T-Shirt und möglichst vielen Aufklebern auf dem Helm. Das fängt schon bei den Zehnjährigen an, die ihren Helden nacheifern. Auch wenn das Outfit recht ungünstig ist, wenn man richtig fahren möchte. Ich kann das alles wirklich nicht nachvollziehen.







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