25 Jahre Charivari: Kultur statt Kommerz

Wer klasse Blues und Weltmusik liebt, der kennt auch das Charivari. Am Wochenende feiert die Begegnungsstätte ihren 25. Geburtstag – mit einer Party und den Weltmusikern des Absinto Orkestra.

Erschienen am Donnerstag, 17. Januar 2013 | Print

Drei Generationen im Charivari-Team: Andrea Sauter (26), Frank Schreiber (46) und Rolf Weber (69), der das Chariviri vor 25 Jahren mit aus der Taufe hob und heute noch als Ehrenamtlicher mitarbeitet. - Foto: Helmut Pusch

Drei Generationen im Charivari-Team: Andrea Sauter (26), Frank Schreiber (46) und Rolf Weber (69), der das Chariviri vor 25 Jahren mit aus der Taufe hob und heute noch als Ehrenamtlicher mitarbeitet. - Foto: Helmut Pusch

1988 war offensichtlich ein guter Jahrgang für die Kultur in der Region. Der Langenauer Pfleghof wurde eröffnet, nur eine Woche später hatte auch Ulm sein erstes soziokulturelles Zentrum, das Charivari, das am 23. Januar als Kulturbastion seinen Betrieb aufnahm.

Einer der von Anfang an dabei war, ist Rolf Weber (69). Der Sozialpädagoge war nicht nur einer der Gründer, er war auch einer der Geburtshelfer des Charivari. „Im Vorfeld hatten wir eine Umfrage unter den Ulmer Jugendlichen gemacht, wie sie sich einen Treff vorstellen.“ Das Ergebnis fasst Weber in einem griffigen Slogan zusammen: „Kultur statt Kommerz“. Und das dachten damals nicht nur die Ulmer Jugendlichen. Auch das Hamburger BAT-Institut hatte wenig später junge Menschen befragt – und kam zum gleichen Ergebnis. „Das lag in der Luft. Institutionen gab es damals nur für die Hochkultur, aber für das, was die jungen Leute interessierte, gab es keine Spielstätten“, sagt Weber. Ein Mangel, dem mit sogenannten soziokulturellen Einrichtungen abgeholfen werden sollte. In Ulm nicht nur mit dem Charivari: Im Sommer 1987 war das Ulmer Zelt gestartet, 1989 folgte das Roxy.

Die Aufbruchsstimmung schlug sich auch in der personellen Ausstattung nieder. Mit 3,5 Stellen startete das Charivari damals – und entwickelte sich schnell zu einem Erfolgsmodell. Beispiel Blues: Das erste Bluesfest organisierte Rolf Weber 1990. Jetzt steht das 37. an, denn in einigen Jahren gab es gleich zwei Konzertreihen pro Jahr. Und die machten das Charivari weit über die Region hinaus bekannt, bis aus Stuttgart reisten regelmäßig Fans an.

Nach mehreren Sparrunden treiben jetzt nur noch Frank Schreiber und Andrea Sauter das Charivari um, sie teilen sich die verbliebenen 1,6 Planstellen. Dazu kommen rund zwei Dutzend Ehrenamtliche wie Rolf Weber. Ohne sie wären die abendlichen Kulturveranstaltungen im Charivari nicht stemmbar. Denn die Kultur ist nur ein Standbein der Begegnungsstätte. Tagsüber ist sie der Sozialraum für Kinder- und Jugendarbeit.

Und auch wenn die Ehrenamtlichen die Kosten bei Veranstaltungen niedrig halten: „Jedes Konzert muss seine Unkosten wieder hereinspielen“, sagt Charivari-Chef Frank Schreiber. Denn einen Programmetat hat das Charivari schon lange nicht mehr. Dass das Programm gerade in Sachen Weltmusik und Blues trotzdem erstklassig ist, hat einen einfachen Grund: Das kleine Charivari, das maximal 140 Zuhörern Platz bietet, hat sich bei den Künstlern einen hervorragenden Ruf erarbeitet. Und so gastiert dort am 25. Januar ein Quartett, das schlicht zu den ganz Großen der Weltmusik gehört und auch problemlos die Carnegie Hall in New York füllt: Quadro Nuevo. „Die waren wie viele andere heutige Stars auch schon am Anfang ihrer Karriere hier. Das verbindet“, sagt Rolf Weber. Und manch anderer Musiker ist schlicht beeindruckt von der Architektur der Flankenbatterie der ehemaligen Bundesfestung: „Ich habe noch nie vorher in einer Burg gespielt“, meinte kürzlich der Bluesgitarrist JP Soars. „Der kommt wieder“, ist sich Rolf Weber sicher.
Helmut Pusch

Das Programm zum Jubiläum: Am 18. Januar gibt es einen Geburtstagsparty und den Weltmusikern des Absinto Orkestra, 20.30 Uhr.

Weltmusik gibt es am 25. Januarmit dem Quartett Quadro Nuevo, am 22. Februar gastiert Sedaa, Mongolian meets Oriental.

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