La France, mon amour

Vor 50 Jahren beschlossen Frankreich und Deutschland im Elysée-Vertrag, lieber Freund als Feind zu sein. acht9-Mitarbeiter über ihre liebsten Franzosen.

Erschienen am Dienstag, 22. Januar 2013 | Print

Für viele der typische Franzose: Das Baguette. - Foto: © Vankad/ Fotolia

Schokobrot

Brot auf Schokolade? Brot mit Schokolade? Brot um Schokolade? Ach was, Schokolade in Brot! Oder: Pain au chocolat. Da ich mich entscheiden muss, ist das mein Lieblingsfranzose. Dieses Gebäck aus Plunderteig, mit einem speziellen Schokoladenriegel gefüllt – das ist Genuss pur. Aber natürlich gehören auch Sprache, Bücher, Filme und die sonstige Küche gewürdigt. Und nicht zu vergessen die ganzen guten Freunde, die ich in der „Grande Nation“ habe.

Kennengelernt habe ich das Land der unbeugsamen Gallier und Croissants – abgesehen vom Urlaub dort – vor allem, als ich im Herbst 2009 zweieinhalb Monate dort im Austausch war. Zusammengefasst: Frankreich ist ein tolles Land. Und die Leute sind gar nicht so seltsam, wie wir oft glauben. Sie sind liebenswürdig, gerade weil sie wenigstens noch Ecken und Kanten haben. Sicher, die Liste der Vorurteile – sowohl positiver als auch negativer Art – ist lang, aber eins sei gesagt: Wir erscheinen den Franzosen garantiert genauso merkwürdig wie sie uns.

Und während die Deutschen eifrig daran arbeiten, ihre Kultur zu amerikanisieren, haben sich die Franzosen stets dagegen gewehrt. Sie verteidigen ihre Sprache und Kultur so vehement, dass es fast borniert erscheint. Natürlich lässt das bei den Jüngeren nach, die Wörter wie „cool“ und „Manager“ selbstverständlich verwenden. Aber im Grunde ist das Französische viel zu schön um es mit Wörtern wie „Facility Manager“ zu verseuchen – ganz abgesehen davon, dass der französische Akzent jegliches englische Wort brutal verunglimpfen würde. Geben wir es doch zu: „merci“ und „adieu“ klingen so viel eleganter als „danke“ und „tschüss“, dass sie auch ins Deutsche eingeflossen sind.

Und dann gibt es ja noch die ganzen Comics, Filme und Bücher. Ich jedenfalls verdanke Asterix und Obelix meine spärlichen Latein-Kenntnisse. Und wer hat nicht „Ziemlich beste Freunde“, „Die fabelhafte Welt der Amélie“ und „Die Kinder des Monsieur Mathieu“ gesehen?
Letztlich aber geht die Liebe doch durch den Magen. Ein original französisches Pain au chocolat, in Kakao getunkt zum Frühstück – wer da nicht schwach wird, dem ist nicht mehr zu helfen.
von Leander Badura, 18 Jahre

Crêpes mit Zimt

Mein Lieblingsfranzose ist heiß, braungebrannt und süß. Ich habe ihn zum Fressen gern. Nur einen Nachteil hat er: Er ist kein Mensch, sondern ein Crêpe. Was aber nichts daran ändert, dass ich gerne an Frankreich denke. Denn: Deutsche Crêpes sind einfach etwas Anderes, und meinen Lieblingsfranzosen kann man eben nicht so schnell nachbacken.

Als es letztes Jahr für zwei Wochen an die französische Südküste ging, konnte ich mich mithilfe meines lebendigen Französischwörterbuches (meiner Schwester) und einem Mix aus Englisch, Körpersprache und einigen Brocken Französisch zwar durchschlagen, stellte aber fest, dass ich meinen Französischwortschatz gezwungenermaßen aufstocken musste. Denn ich entdeckte meine Leidenschaft für Crêpe mit Zimt und Zucker. Es war Liebe auf den ersten Blick. Und die hielt länger an als nur zwei Wochen.

Um mich so oft wie möglich mit meinem neuen Freund zu treffen, überwand ich sämtliche Sprachbarrieren und konnte nach unzähligen Versuchen sogar eigenständig eine Bestellung aufgeben. Ewas holprig und mit Akzent, aber verständlich: „Je voudrais une crêpe avec sucre et cannelle, s’il vous plaît“. Zwar fürchtete ich, ich würde meine Zunge verschlucken, aber die Aussicht auf ein leckeren Crêpe gewann dann doch die Oberhand.

Auch daher, weil mein Körper, meinte, sich meinen touristischen Ambitionen entgegenstellen zu müssen, und mir einen fetten Muskelkater verschaffte. Die Kilometer, die ich mit meiner Familie einen Berg hochgeklettert war, machten sich bemerkbar und forderten meine ganze Aufmerksamkeit, die ich lieber meinem Franzosen zukommen lassen wollte. Wie immer machte ich mir Vorwürfe, nicht genug (ehrlich gesagt, gar keinen) Sport gemacht zu haben und nahm mir fest vor, das zu ändern. Später.

Das Fazit des Urlaubs: praktische Sprachkenntnisse, erhöhte Blutzuckerwerte, Liebeskummer wegen der baldigen Trennung von meinem Franzosen und schmerzende Muskeln.
von Harriet Hanekamp

Die Freundin

Meine Lieblingsfranzösin heißt Louise und wohnt direkt in Paris. Kennengelernt habe ich sie bei einem Austausch. Damals war ich gerade mal zwölf Jahre alt und im Nachhinein finde ich es ziemlich cool, dass ich damals schon allein nach Frankreich und wieder zurück geflogen bin.

Zuerst war Loulou bei mir zuhause und wir haben verschiedene Sachen unternommen, um ihr die Gegend zu zeigen. Sie macht Ballett, genau wie ich, was uns einander von Anfang an näher gebracht hat. Zwischendurch hatten wir zwar etwas Streit, aber wenn man die ganze Zeit aufeinander sitzt, ist das ja selbstverständlich.

Für mich war es das erste Mal in Frankreich, also unternahmen wir mehrere Ausflüge. Natürlich waren wir auf dem Eiffelturm, im Louvre, und das Shoppen kam auch nicht zu kurz. Louise wohnt sehr zentral in Paris, auch zu ihrer Schule war es nicht weit. Sehr beeindruckt hat mich, dass man von Louises Zimmer direkt auf den Eiffelturm blicken konnte. Wenn es dunkel geworden war, hat dieser zu jeder vollen Stunde angefangen, von oben bis unten zu glitzern.

Mit Louises Familie habe ich mich sehr gut verstanden, auch mit ihrem Kindermädchen, das die ganze Zeit bei uns war und auch aus Deutschland kam. Es war wirklich toll, ihre Freunde kennen zu lernen und Zeit mit ihrer Schwester zu verbringen. Zu der Zeit hatte ich zwar schon Französisch in der Schule, doch glücklicherweise kann Loulou auch deutsch.
Heute haben wir zwar nicht mehr so viel Kontakt, doch wir schicken uns immer wieder Bilder und erzählen uns, was so bei jedem los ist. Wir haben auch schon überlegt, ob wir uns in den Ferien mal wieder treffen können, denn seit dem letzten Mal, als wir uns gesehen haben, sind ja jetzt fast schon fünf Jahre vergangen. Für mich war Frankreich eine wirklich tolle Erfahrung, die ich sofort wieder machen würde.
von Jelena Bohnett, 16 Jahre

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