Suppe und Kunst im Omar

Jahrzehntelang war das Café Omar in der König-Wilhelm-Straße Stammkneipe der 68er und politisch Linken. Die neuen Pächter wollen das Flair des Cafés erhalten, aber auch einiges neu machen. Es soll etwa wieder öfter Konzerte geben, wie morgen (Samstag) von der Band Frau Öl.

Erschienen am Freitag, 25. Januar 2013 | Print

Neuer Chef im Omar ist Tzehaye Tesfay (rechts), ihm zur Seite stehen seine Lebensgefährtin Diana Gnensch und sein Bruder Mulugeta Tesfay. Konzerte wie das morgen Abend von Frau Öl soll es künftig öfter geben. Foto: Matthias Kessler

Ein Café zu übernehmen, das eine 40 Jahre lange Geschichte hat, zudem Stammlokal vieler Alt-68er ist, das ist keine leichte Aufgabe. Vor allem dann, wenn man einerseits das Flair des Café Omar erhalten will – darunter die „Suppkultur“, die täglich wechselnden Suppen auf der Speisekarte –, andererseits aber durchaus eigene Ideen einbringen möchte.
Exemplarisch ist das vielleicht an einem Bild zu erklären, dem „Bologna-Bild“, wie Diana Gnensch, Lebensgefährtin vom neuen Omar-Chef Tzehaye Tesfay, erzählt: Das Bild mit politisch linkem Hintergrund hing irgendwie schon immer im Omar, der Versuch es abzuhängen stieß auf vehementen Protest der Stammgäste. Der Kompromiss: Jetzt hängt es über dem Eingang, weniger prominent als vorher.

Denn die Wände des Omar sollen gestaltet werden – und zwar immer wieder. Alle zwei bis drei Monate sollen dort wechselnde Ausstellungen hängen. „Bilder, Fotos, egal was“, sagt Diana. „Die Bilder sollen nur nicht wieder Dekaden hier hängen.“ Das ergibt sich bei den Ausstellungen meist ohnehin von selbst, weil viele Werke verkauft werden.

Auch sonst soll im Omar künftig künstlerisch viel los sein. Unterstützung bekommt Tzehaye Tesfay dabei nicht nur von Diana, sondern auch von seinem Bruder Mulugeta. Lesungen, wie vergangenen Donnerstag, soll es öfter geben. Und zwar nicht nur so, dass jemand aus einem Buch vorliest, sondern mit schauspielerischen Einlagen, oder auch Stand-Up-Comedy versehen.

Nicht zu vergessen, die Musik. Livekonzerte soll es wieder geben, morgen Abend spielt etwa das Ulmer Trio Frau Öl Indie-Pop mit deutschen Texten. Grundsätzlich soll der Eintritt für die Konzerte frei bleiben, stattdessen geht dann ein Hut herum, in den jeder soviel Geld tun kann, wie er es sich leisten kann. „Bei jeder Band wird das aber nicht klappen“, räumt Diana ein. „Manche verlangen schon mehr Gage.“

Die Kapernfahrt am Samstag wird beibehalten, versichert Diana. Einmal im Monat freitags werden zusätzlich der Kapernfahrt-DJ Roterfreibeuter und DJ Frank Riethdorf „Hintergrundmusik“ auflegen. Musik, zu der sich die Gäste noch unterhalten können, die aber eine Abwechslung zur normalen Playlist bietet. Denn bei zu viel Disco würden nicht nur die Nachbarn, sondern auch die Stammgäste rebellieren. „Das Ganze ist schon eine Gratwanderung“, sagt sie.

Eine Neuerung, die bei allen ankommen dürfte: Von Zeit zu Zeit soll es einen eritreischen Abend mit offenem Buffet geben. Diana: „Man soll ja ein bisschen was vom kulturellen Background von Tzehaye und seinem Bruder mitbekommen.“

Info Frau Öl spielen morgen ab 21 Uhr im Omar.

ÜBER DEN VERFASSER
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Yasemin Gürtanyel hat 108 Artikel für acht9.de geschrieben.

1 Kommentar

  • avatar Clemens P. 13:54 Uhr 25. Januar 2013

    Wenn ich mal wieder in der Gegend bin, werde ich mal vorbeikommen um zu schauen, ob sich was geändert hat. Der Vorteil daran, dass ich nicht so oft vorbeischaue ist, dass ich objektiver sehen kann, ob es sich zum Positiven gewendet hat ;-)

    Ich wünsche viel Erfolg beim Vorhaben!

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