Waldorfschule macht’s möglich: Theater als Abi-Fach

Theatertheorie, spielpraktische Übungen und zum Schluss wird ein Theaterstück aufgeführt: So sieht der Abi-Kurs "Theater" an den beiden Ulmer Waldorfschüler aus. In diesem Jahr werden Günter Eichs „Träume“ aufgeführt. Interesse? Gezeigt wird das Stück am 18. Januar und 19. Januar 2013, jeweils ab 20 Uhr im Saal der Waldorfschule Ulm.

Erschienen am Freitag, 18. Januar 2013 | Print

Gruselige Träume plagen die Menschen im Theaterstück, hier wird darin eine Familie verstoßen. - Foto: Leander Badura

Gruselige Träume plagen die Menschen im Theaterstück, hier wird darin eine Familie verstoßen. - Foto: Leander Badura

Alles was geschieht, geht dich an!“ Das ist die zentrale Botschaft des Stücks „Träume“ von Günter Eich. Dieses wird heute und morgen Abend von Abiturienten der Ulmer Waldorfschulen aufgeführt. Theater als Abiturfach? An den Waldorfschulen geht sogar das. Jedes Jahr bietet die Freie Waldorfschule Ulm in Kooperation mit der Freien Waldorfschule am Illerblick einen Theaterkurs als zweistündiges Fach an, das im Abitur vierfach gewertet wird. Da beide Schulen direkt nebeneinander liegen, war das räumlich bisher nie ein Problem. Während der beiden letzten Schuljahre lernen wir Schüler verschiedene Theatertheorien kennen, absolvieren spielpraktische Prüfungen und führen eine kreative Werkstattmappe. Der krönende Abschluss ist jedoch das Aufführen eines Stückes.

Auch dieses Jahr gab es so einen Abiturkurs. Mit Theatertheorien, mit Prüfungen und mit Werkstattmappe – nur die Aufführung steht noch aus. Unter Anleitung von Wilfried Kessler, Lehrer an der Freien Waldorfschule Ulm, studierten 31 Schüler beider Schulen in den vergangenen Monaten das ursprünglich als Hörspiel verfasste Stück ein. Heute und morgen Abend ist es soweit: Jeweils um 20 Uhr hebt sich der Vorhang für Günter Eichs „Träume“.

Das Stück spielt in den Fünfzigern des vergangenen Jahrhunderts. Statt die vergangene Katastrophe des Zweiten Weltkriegs aufzuarbeiten, stürzen sich die Menschen in das große Vergessen einer konsumfixierten Welt. Dieser Flucht in die Oberflächlichkeit stellt der Schriftsteller Günter Eich, Mitbegründer der berühmten Gruppe 47, fünf fiktive Albträume, von „Durchschnittsmenschen“ auf den fünf Kontinenten geträumt, entgegen: Menschen, die endlos lange Zug fahren. Eltern, die ihr Kind verkaufen. Eine Familie, die von ihren Mitmenschen aus der Heimat vertrieben wird. Urwaldforscher, die vom Fluch des Vergessens erfasst sind. Menschen, die von Termiten bedroht werden.

Fünf Szenen, dazwischen immer wieder Texte Eichs und Lieder aus der Nachkriegszeit. So versuchen wir Schüler, die Botschaft Eichs auch fast 60 Jahre nach der erstmaligen Ausstrahlung im Rundfunk, lebendig werden zu lassen. Damals gab es Proteste, vor allem beim zweiten Traum. Um diese darzustellen haben wir die Reihenfolge der Träume verändert, damit am Ende der Traum steht, den Eich als Ersatz für den Zweiten schrieb: Ein Beamter landet mit seiner Frau versehentlich in einem abgelegenen Ort und wird dort zum Scharfrichter.

Doch zu viel sei nicht verraten, wer neugierig geworden ist: Das Stück spielt heute, 18. Januar, und Samstag 19. Januar, jeweils ab 20 Uhr im Saal der Freien Waldorfschule Ulm, Römerstraße 97.

ÜBER DEN VERFASSER
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Leander Badura hat 8 Artikel für acht9.de geschrieben.

Leander Badura (Twitter) ist Schüler an der Freien Waldorfschule in Ulm. In seiner Freizeit spielt er gerne Gitarre und engagiert sich im sozialen und politischen Bereich. Später möchte er Politikwissenschaft und Philosophie studieren und schließlich Journalist und Schriftsteller werden.

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