Zeitdiebe unterwegs

„Es ist nicht wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist viel Zeit, die wir nicht nutzen.“ Das hat bereits der römische Philosoph Seneca festgestellt. Und seitdem hat sich im Grunde wenig geändert. acht9-Mitarbeiter beschreiben, wie sie ihre Zeit verschwenden. Wobei das zuweilen gar nicht sooo schlimm ist ...

Erschienen am Dienstag, 8. Januar 2013 | Print

Wo ist sie nur hin, die Zeit? Zuweilen hat man da durchaus den Eindruck, jemand hat die Uhr heimlich vorgestellt. Foto: Matthias Kessler

Seriöse Signaturen

Manchmal, wenn man E-Mails bekommt, dann steht unten nicht nur ein Name sondern gleich eine ganze Signatur. Jeder kennt die Dinger, aber wer liest sie? Niemand. Warum? Genau, sie sind absolute Zeitverschwendung. Vermutlich ist die Intention dahinter, seriös zu wirken. Und man muss schon sagen: Spätestens, wenn die Signatur länger ist als die E-Mail denkt man: Wow! Oder so ähnlich… Ich habe mir mal ein paar dieser faszinierenden Buchstaben- und Zahlenfolgen angesehen. Zum Beispiel alle E-Mails, die von Mitarbeitern dieser Zeitung kommen, haben so etwas. Da steht nicht nur die Adresse, also der Sitz des Unternehmens, sondern auch etwas von einem Registergericht und dann einer Nummer. Der Laie rätselt da, die letzte Zeile wird jedoch wieder verständlich, da steht nämlich einfach: Geschäftsführer: Thomas Brackvogel. Das ist klar und eindeutig, da führt einer die Geschäfte. Aber das mit dem Registergericht will nachgeschlagen werden. Wikipedia hilft weiter: Ein Registergericht ist ein Amtsgericht, das alle möglichen Register, wie beispielsweise Handelsregister, führt. Aha, wieder was gelernt.

So geht das weiter. In den Signaturen von Vereinen steht manchmal sogar ein gewisses Präsidium drin. Beim Internationalen Bund habe ich da durch das Eintippen der Namen in meine Suchzeile herausgefunden, dass das allesamt Politiker sind. Verschiedener Couleur, glücklicherweise. Auch wieder etwas, das eigentlich völlig unwichtig ist.

Auf die anderen Signaturen und ihre Hintergründe will ich hier gar nicht eingehen, nur so viel sei verraten: Es gibt äußerst exhibitionistisch veranlagte Institutionen. Eine Sache lässt sich nach gründlichen Studien feststellen: Je länger die Signatur, desto eindrucksvoller will jemand erscheinen. Manchmal haben sogar Privatpersonen eine Signatur! Ich muss gestehen, dass ich auch dazu gehöre und habe dafür sogar gar keine Entschuldigung, aber ich kann wenigstens sagen: Ich bin bei keinem Registergericht registriert! Letztendlich bleiben E-Mail-Signaturen aber vor allem das, was sie schon immer waren: Reine Zeitverschwendung.

Von Leander Badura

 

Jammern statt lernen

An manchen Tagen gibt es so viel zu lernen und so viele Hausaufgaben, dass ich nicht weiß wo ich anfangen soll. Dazu kommen andere Termine, die man am Tag unbedingt erledigen sollte – und der Berg an Aufgaben steigt. Aber statt schnellst möglich anzufangen, jammere ich erst mal rum.

Ich rufe die Freundin an und beschwere mich, wie übermenschlich viel das ist und dass Lehrer wohl denken, wir bräuchten keine Freizeit. Doch auch nach Zustimmung der Freundin wird die Hausaufgabe nicht weniger.

Nach einer Weile fang ich an, auf mein Blatt zu starren und lasse mich von jeder Kleinigkeit ablenken. Wenn ich es doch schaffe, mal bei der Sache zu bleiben und nur noch „kurz“ etwas Thema-bezogenes googeln will, erwische ich mich dabei, wie ich mich in Facebook einlogge. Nachdem ich auf diese Weise mehrere Stunden vertrödelt habe, kommt es mir so vor, als hätten sich meine Hausaufgaben verdoppelt, die Zeit wurde komischerweise immer weniger. Was meine Laune nicht verbessert.

Wenn ich mich nach sehr langer Zeit doch noch überwinde später am Abend die Hausaufgaben zu machen und zu lernen, wird mir klar, dass ich viel schneller gewesen wäre, wenn ich das gleich nach der Schule erledigt hätte. Das nächste Mal läuft die ganze Sache dann allerdings sehr ähnlich ab …
Von Maren Bergmann

 

Warten – der Zeitkiller schlechthin?

“Abwarten und Tee trinken“ ist ein altbekannter Spruch, aber viele Menschen treibt es dann doch in den Wahnsinn: Das Warten.

Es darf sich nicht nur mit der Auszeichnung „häufigste Ursache für Aggressionen im Krankenhaus“ schmücken, es ist auch ein echter Zeitkiller: Jeden Tag verschwendet man überdurchschnittlich viel Zeit mit Warterei: Auf den Bus, bis der Kaffee fertig ist, auf einen wichtigen Anruf, auf die Familie, auf besseres Wetter, auf Sonnenschein und den Sommer, auf das nächste Wochenende, den Aufzug, auf Freunde, darauf, dass der Arbeitstag vorbei ist, im Wartezimmer der Arztpraxis, in der Einkaufsschlange im Laden oder weil der Zug Verspätung hat.

Wenn ich reflektiere, wie ich jeden Tag meine Zeit verbringe, dann muss ich mir eingestehen, dass ich sie tatsächlich oft mit Warten verschwende. Nicht selten ertappe ich mich dabei, wie ich bereits Pläne schmiede – darüber, was ich mache, wenn das Warten zu Ende ist. Dabei stellt sich doch vielmehr die Frage: Wieso fange ich nicht gleich an, meine Pläne in die Tat umzusetzen? Warum lasse ich so viel Zeit bis dahin verstreichen, ja verschwenden? Oder ist „verschwenden“ überhaupt das richtige Wort, wenn wir von der Zeit sprechen? Gibt es Zeitverschwendung wirklich oder existiert sie nur in unseren Köpfen?

Die Zeit während des Wartens lässt sich ja beispielsweise auch sinnvoll mit einem Buch oder der Zeitung überbrücken. Außerdem habe ich schon oft dabei unerwartet alte Bekannte getroffen, zu denen ich schon länger keinen Kontakt mehr gepflegt hatte, nette neue Begegnungen gemacht oder mir einfach mal eine Ruhepause gegönnt und die Landschaft genossen. Auch eine Anpassung an die Situation kann durchaus nützlich sein: Anstatt während der kalten Jahreszeit auf die Freibadsaison zu warten, kann man analog einfach das Schlittschuhfahren vorziehen.

Im Grunde verhält es sich dann nämlich doch so: Alles, was wir im Leben tun, selbst die Warterei, ist, solange wir sie und unser Leben nur bewusst wahrnehmen und nach unseren Idealen streben, sicher eines: keine Zeitverschwendung.
Von Julia Schuster

ÜBER DEN VERFASSER
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Yasemin Gürtanyel hat 108 Artikel für acht9.de geschrieben.

1 Kommentar

  • avatar Peter Demel 08:38 Uhr 23. Oktober 2013

    Schöner Beitrag und witzig. Schon lange habe ich so einem guten Artikel nicht gelesen. Und ich bin auch der Meinung, egal was wir machen, es ist keine Zeitverschwendung, weil das das Leben ist.

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