Abi – so bereitest du dich vor

Lernpläne, Mindmaps oder lieber gar nichts tun? Bis zu den Abitur-Prüfungen sind zwar noch einige Wochen Zeit – aber die vergehen schneller, als man denkt. Schulpsychologe Patrick Scheel vom Neu-Ulmer Lessing-Gymnasium gibt Lern-Tipps.

Erschienen am Mittwoch, 6. Februar 2013

Abiturprüfungen, hier in einer Turnhalle: Bevor es bei dir soweit ist, solltest du ausreichend gelernt haben.

Abiturprüfungen, hier in einer Turnhalle: Bevor es bei dir soweit ist, solltest du ausreichend gelernt haben.

Du schiebst erfolgreich den Gedanken an die nahenden Abitur-Prüfungen von Dir? Oder bist spätestens seit Weihnachten in panischen Lernstress verfallen? Beides ist nicht gut. Denn „man fängt jetzt an“, sagt Patrick Scheel (31), Mathelehrer und Schulpsychologe am Neu-Ulmer Lessing-Gymnasium. Der allerspäteste Zeitpunkt für den Lernbeginn seien die Osterferien. Zunächst empfiehlt Scheel, in jedem Abifach für jede Woche Schwerpunkte zu setzen. Am besten mit Lernplänen. Die helfen auch gegen das Verzetteln.

Wie erstellt man einen Lernplan?
Auf einen Zettel die Wochentage notieren und in die Spalten die Fächer eintragen, für die man lernen will. Wichtig: Die Uhrzeit nicht vergessen, also beispielsweise montags, 17 Uhr, Geometrie. Die Pläne sollten so konkret wie möglich sein. Für jedes Fach sollte man sich zwischen 30 und 40 Minuten Zeit nehmen, bleibe man länger dabei, schalte das Gehirn ab. Dagegen helfe entweder eine kurze Pause oder das Fach zu wechseln. Wichtig beim Lernen: Keine „Drückebergerpausen“ einlegen. „Essen, trinken, auf Toiletten gehen muss auf die Pausen verschoben werden“, sagt Scheel. Lernen sei gerade in der Anfangszeit der Abivorbereitungen angebracht, „denn da bearbeiten die Schüler Stoff, den sie vor eineinhalb Jahren das letze Mal gehört hatten. Den muss man wirklich nochmal lernen und nicht nur wiederholen.“

Muss man jeden Tag lernen?
Laut Scheel soll jeder auch Zeit für Unvorhergesehenes einplanen. Bei zwei Wochen sollte man sich einen Tag im Lernplan eintragen, an dem man nichts lernt. „Notfalltag“ nennt Scheel das. Gemeint ist Zeit, die man sich nehmen kann, wenn man etwa auf eine Geburtstagsparty gehen will und daher wirklich nichts lernen kann – oder will. Der unschlagbare Vorteil des Notfalltages: Hat man an einem Lerntag nichts auf die Reihe bekommen, hat man ja noch den freien Tag und büffelt eben dann.

Wie strukturiert man die Abivorbereitungen für Fächer, in denen man viel Lernstoff hat, wie Mathe?
Scheel empfiehlt, mit Mindmaps zu arbeiten, also mit Gedächtnislandkarten. Mathe wird dabei in die drei Fächer Analysis, Geometrie, Stochastik unterteilt. Oberpunkte und Stichpunkte müssen auf der Mindmap notiert werden, damit man „das Grundwissen verknüpft“, sagt Scheel. Mindmaps helfen, den Überblick zu behalten. Und noch ein Vorteil: Sollte man in der Prüfung merken, dass man panisch wird, so helfe es laut Scheel sich die Mindmap vorzustellen. „Wenn man es vor dem inneren Auge sieht, kommt man wieder an das Wissen.“ Bei Mathe hilft das Naheliegende, nämlich zu rechnen, rechnen, rechnen. „Materialien gibt es genügend“, sagt Scheel. Abiaufgaben der vergangenen Jahre, von Schulbuchverlagen zusammengetragen, gibt es viele, einen konkreten Verlag will Scheel nicht empfehlen. Er sagt: „Die sind alle gut.“ Dennoch sollte man nicht wahnsinnig viele Bücher durchrechnen. Scheel: „Ein, zwei gute Bücher reichen. Grundsätzlich bereiten einen Lehrer gut vor. „Die Aufgaben, die man im Unterricht gerechnet hat, sind die wichtigen.“

Wie strukturiert man die Vorbereitungen für Fächer, in denen man nicht viel Lernstoff hat, wie Deutsch?
Gerade in Deutsch muss man ran an den Schreibtisch. Gut, alle Bücher, die man jemals im Unterricht behandelt hat, kann man wohl nicht nochmal lesen, aber man könne laut Scheel Inhaltsangaben schreiben, eine Stichpunktliste notieren oder eine ABC-Liste, also zu jedem Buchstaben Stichpunkte zum Inhalt aufschreiben. Oder man könne Themen rausschreiben, die in den Büchern behandelt werden. „Nehmen wir Faust. Da geht es um Beziehung, Gott, Tod. Faust passt fast immer in der Prüfung.“ Deutsch sei als Prüfungsfach nicht zu unterschätzen: „Oft ist die Aufgabenstellung schwammig.“

Wie erkenne ich, welcher Lerntyp ich bin und wie muss ich dann arbeiten?
Die meisten Schüler würden bis zu den Abivorbereitungen wissen, wie sie lernen, sagt Scheel. Lernt man am besten übers Hören und Erzählen, sei eine Lerngruppe das Richtige. Wer den Schulstoff vor sich sehen muss, dem helfen Mindmaps, vielleicht auf ein großes, farbiges Plakat notiert. „So jemand pinselt am besten so viel wie möglich nochmal ab“, sagt Scheel. Wer Lernstoff hören muss, für den ist ebenfalls eine Lerngruppe das Richtige. Oder er nutzt dem MP3-Player, nimmt etwa Vokabeln auf und lernt auf diese Weise. Laut Scheels Erfahrung ist übrigens kein Schüler ausschließlich einem Lerntypus zuzuordnen, sondern lernt auf verschiedene Weisen gut.

Wie lange vor den Prüfungen sollte man überhaupt lernen?
Im Idealfall sollte man zwei Wochen vor dem Abi nichts mehr lernen. Dann genüge es pro Tag eine Abiaufgabe durchzuarbeiten und dafür höchstens drei Stunden aufzuwenden. Einen Tag vor der Prüfung sollte gar nichts mehr gelernt, sondern sich auf die Prüfung so eingestellt werden: Die Schüler sollten ihre Tasche mit Essen, Trinken und Glücksbringer herrichten und sogar nochmal in die Schule gehen. Warum? Ganz einfach, dort erkundigt man sich nach dem Prüfungsort, damit es am Tag der Abiprüfung keinen Stress gibt wegen der Frage, in welchem Raum man das Abi schreibt.

Was macht man bei einem Blackout?
Scheel empfiehlt, kurz den Raum zu verlassen, etwas zu essen oder zu trinken. Und: „Das Wissen ist immer mit Orten verknüpft“, sagt er. Deshalb sollte man versuchen, etwa an die Mindmap zu denken, oder ans eigene Zimmer, das Bücherregal. Man sollte versuchen über „Umwege zum Inhalt“ zu gelangen. Wer ohnehin wisse, dass er zu Prüfungsangst neige, könne sich überlegen, was er für Stärken hat und was das Abi für ihn letztendlich bedeute. Bei einer solchen Aufstellung komme jeder zu der Überzeugung, die Scheel so formuliert: „Abi ist ein Teil im Leben, aber nicht der wichtigste Teil.“

Zur Person
Patrick Scheel (31) stammt aus Krumbach und ist seit drei Jahren der Schulpsychologe am Lessing-Gymnasium in Neu-Ulm und der Ansprechpartner für Lerntraining und Lerncoaching. Die Vorbereitungen für sein eigenes Abitur bezeichnet er als „nicht so ideal. Ich hatte zu viel andere Dinge zu tun, Musik, Chor, wie eben jeder Schüler.“ Sein beruflicher Weg war nicht von Anfang an geradlinig, sagt Scheel. Zunächst wollte er nämlich Architektur studieren, was er auch getan hat, wechselte aber das Fach wegen der schlechten Berufsaussichten. Er studierte Psychologie und Mathe in München. Schell ist verheiratet und hat ein Kind.

ÜBER DEN VERFASSER
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Beate Rose hat 83 Artikel für acht9.de geschrieben.

Beate Rose wurde in Leipzig geboren, lebt in Ulm und ist davon überzeugt: Der Osten ist überall.

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