Nichts vorschreiben lassen

Die Berliner Punkband Johnnie Rook spielt am Samstag, 16. Februar, mit Alarmsignal und Sick of Society ab 20 Uhr im Beteigeuze. Die Sängerin und der Gitarrist Franziska und Micha Jentzen über randalierende Falken, Punkrock und Gesangsunterricht.

Erschienen am Freitag, 15. Februar 2013 | Print

Auch wenn Jan (von links), Franziska, René, Roman und Micha von Johnnie Rook zum Blödeln aufgelegt sind – ihre Songs sind zornig. - Foto:Johnnie Rook

Wie ist es, als Paar in einer Band zu spielen?
FRANZISKA: Gut! Ich habe zwar keinen Vergleich, weil ich nicht weiß, wie es ist, ohne Partner in einer Band zu spielen – aber wir kommen supergut klar. Wir haben uns ja kennen gelernt, weil Micha eine Sängerin suchte. Er hat mich in der Straßenbahn angesprochen, weil er mich mit Gitarrenkoffer sah. Ich kam zum Vorsingen – und wir beschlossen, lieber ein Paar zu werden. Weil sich keine Sängerin fand, dachten wir, okay, dann versuchen wir es auch mit der Band.
MICHA: Ich hatte anfangs schon befürchtet, dass es Spannungen geben würde. Aber es klappt jetzt bereits seit zehn Jahren.

Und es gibt gar keine Kompetenzprobleme?
FRANZISKA: Nein, wir haben uns ja eindeutig aufgeteilt: Micha schreibt die Songs, ich die Texte.

Ihr spielt ja Punkrock – einfach, weil Ihr die Musik mögt oder bedeutet Punk noch mehr für Euch?
FRANZISKA: Punk ist für uns Lebenseinstellung. Nämlich so zu leben, wie wir es für richtig halten. Den Mut haben, „nein“ zu sagen, aber auch nicht aus Prinzip gegen alles zu sein.

Konkret bedeutet das?
FRANZISKA: Micha und ich sind verheiratet – auch wenn das in Punkerkreisen vielleicht als spießig gilt. Wir lassen uns aber nichts vorschreiben, von keiner Seite!

MICHA: Ich bin sehr freiheitsliebend. Daher will ich nicht als Angestellter in einer Firma arbeiten, sondern bin freischaffender Cutter. Und ich muss nicht alles fressen!

Viele Punker sind Vegetarier. Ihr auch?
FRANZISKA: Das nicht. Ich finde es aber nicht in Ordnung, dass Tiere unter bestialischen Bedingungen gehalten werden. Wir essen lieber nur einmal die Woche Fleisch in guter Qualität. Man isst ohnehin viel zu viel Fleisch und Milchprodukte.

Du machst Dir offensichtlich viele Gedanken . . .
FRANZISKA: Das ist schon mein Thema, ich bin sehr tierlieb. Unsere Band ist ja auch nach einem Vogel benannt.

Was denn für einem?
MICHA
: „Johnny Rook“ haben Piraten eine Falkenart genannt, die auf den Falklandinseln lebt und heute geschützt ist. Sie leben monogam. Bevor sie ihren Partner gefunden haben, schließen sie sich aber zu Jugendgangs zusammen und machen eine Menge Blödsinn. Das passt gut zu einer Punkband, fanden wir.

Eure Songs klingen ziemlich zornig. Seid Ihr zornig?
FRANZISKA: Ja! Auf dem neuen Album haben wir viel von unserer Wut in die Songs gesteckt. Zum Beispiel „Wenn ich dein Geld hätt“: Es macht mich wütend, dass der Geldadel bei uns so gefeiert wird. Aber diese Menschen sind bis auf wenige Ausnahmen so reich, weil andere für wenig Geld für sie arbeiten. Und alle wollen alles haben, für möglichst wenig Geld. Das kann aber nicht gehen!

Habt Ihr Punkrock-Helden?
MICHA: Das ist ja so eine Sache mit Punk und Helden . . .
FRANZISKA: Wir haben aber schon Vorbilder. René Fat Mike von NoFX, Roman hat mit 13 schon über Dritte Wahl referiert, Micha ist Fan von Bad Religion und ich von Wick Bambix. Als Frau im Punkrock hat man es ja nicht so einfach.

Du hast Gesangsunterricht genommen. Nicht sehr punktypisch, oder?
FRANZISKA: Da wusste ich ja noch nicht, dass ich einmal in einer Punkband landen würde! Aber es ist gut dass ich den hatte, denn die Johnnie-Rook-Sachen sind gar nicht so einfach. Man muss hoch und kräftig singen. Ich will jetzt nicht arrogant klingen, aber viele sind überrascht, wenn sie hören, dass ich auch Jazz singen kann.

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