Wir wollen die Utopie!

Dota im Roxy: Das bedeutet nach eigener Aussage der Sängerin entweder traurige oder beängstigende Songs. Das Publikum hatte dann aber auch viel zu lachen - und war begeistert.

Erschienen am Montag, 4. Februar 2013

Dota und ihre Stadtpiraten begeisterten im Roxy - Foto: Lea Richtmann

Was für ein schöner Abend. Ich drehe mich um und sehe im Publikum lauter fröhliche Gesichter. Dota schafft es mit Leichtigkeit die Menschen, die ihr zuhören, zu verzaubern.

Das Konzert im Roxy wird eingeleitet von der Solokünstlerin Lena Dobler. Nur mit Gitarre und Stimme trägt sie schöne, sehr ruhige Songs vor.

Dann kommt Dota zuerst allein auf die Bühne, nach und nach gesellen sich ihre Bandkollegen, die Stadtpiraten, dazu. Wie sie ansagt, hätte sie zwei Sorten von Liedern: „traurig und beängstigend“. Zwischen diesen beiden würde sie abwechseln. Das Publikum lacht, wie häufig an diesem Abend. Denn die Berliner Musikerin hat einige, wenn auch  tiefgründige, sehr lustige und fröhliche Lieder.

In der Tat wechselt sie jedoch oft zwischen ruhig und flott, so kommt jeder auf seine Kosten. Es ist offensichtlich, dass Dota seit jeher live spielt und ihre Songs nicht für Aufnahmen entwickelt: Ständig ist sie in freundlichem Kontakt und Austausch mit ihren Zuhörern, erzählt Geschichtchen, macht Witze und spart auch nicht an Selbstironie.

Das alles macht sie so wahnsinnig sympathisch. Ihre Abenteuer-Samba („Schlüssel“) unterbricht sie am Anfang mehrmals, weil ihr nochmals etwas zum Erzählen einfällt. Aber es ist natürlich verständlich, dass sie uns vorwarnen möchte vor dem mannsgroßen Frosch, der im Lied vorkommt. Sie sagt: „Damit ihr nicht erschreckt“. Als sie singt erfahren wir dann, dass dieser Frosch auch noch ein drittes Auge hat und meditierend auf einer Truhe sitzt, in der ein Schlüssel liegt. Warum wir den Schlüssel brauchen, wissen wir irgendwann selbst nicht mehr: „Du gehst weiter, immer weiter, nur weil dir alles offen steht“.

Wie in diesem Zitat schafft es die Sängerin, die auch als „Kleingeldprinzessin“ bekannt ist, ständig subtile denkerische Anstöße zu geben. Die Sätze kommen ganz locker flockig daher, doch was da alles dahinter steckt… Wie ist es gemeint, wenn sie in dem Song „Sommer“ singt: „Du bist für die Wahrheit zu schön“? Und unsere Vorurteile? Dotas Fee, die von fern und auch von nah wie ein Steinpilz aussieht, wollte ihr irgendwie nicht so richtig ihren Wunsch nach Weltfrieden erfüllen, sondern zockt ihr die Kreditkarte ab und geht damit ins Casino. In „Utopie“ erklärt sie „es geht nicht um ein Stück vom Kuchen, es geht um die ganze Bäckerei“, das, meint sie, beschreibe viele Probleme in unserer Welt. Sie lässt dabei aber auch die Selbstkritik nie aus: „Ich habe viel zu viel Ärger und viel zu wenig Mut“.

Die Songs werden von ihren Bandmitgliedern wunderbar kreativ begleitet. Janis Görlich am Schlagzeug legt nicht nur einen Grundbeat sondern überrascht immer wieder mit abwechslungsreichen Rhythmen und setzt zum typischen Set auch Kuhglocke, Glockenspiel und Rasseln ein. Der Herr an den Tasten (Jonas Hauer) spielt zusätzlich zu Keyboards und Akkordeon auch das Theremin. Das ist ein elektronisches Instrument, bei dem durch die elektrische Kapazität des Körpers Töne erzeugt werden, ohne es zu berühren. Durch seine Handbewegungen in der Luft ändert er Tonhöhe und Lautstärke. Jan Rohrbach mit der E-Gitarre ist meist für die Solos zuständig, während Dota selbst die Rhythmusgitarre spielt.

Das Publikum, das aus Menschen jeden Alters besteht, ist begeistert. Am Schluss bittet Dota die Zuhörer ihr zu helfen, damit zum Ende des letzten Liedes des Programms die Melodie im Raum weiter klingt. Dieser Wunsch wird ihr gerne erfüllt und so singen alle weiter, als die Instrumente schon längst verstummt sind. Der Applaus will nicht aufhören. Noch drei Mal klatschen die Menschen Dota und Band wieder auf die Bühne. Viele Menschen, die lächeln.

von Lea Richtmann

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